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Frédéric Chopin, Franz Liszt,

Klavierkonzerte Nr. 1

Yundi Li, Philharmonia Orchestra, Andrew Davis

DG/Universal 477 640
(56 Min., 7/2006) 1 CD

Man muss die Bläserfanfaren zu Beginn nur ein bisschen über das korrekte Metrum ziehen, schon entsteht deftige sinfonische Wirkung und damit ein möglicher Ausgangspunkt für Franz Liszts erstes Klavierkonzert, das gewisser Kontraste bedarf, um seine Chopin nachhorchende, in sich ruhende Romantik zu entfalten. Mit allen Extremen natürlich, im Fortissimobereich und noch mehr im Leisegang, die aber alle die Grenzen nur etwas dehnen, nie sprengen sollen. Dirigent Andrew Davis und das Philharmonia Orchestra scheinen die richtigen Ansprechpartner für diese Unternehmung zu sein, und erstaunlicherweise fügt sich da auch Yundi Li stimmig ins Konzept, der derzeit vielleicht talentierteste chinesische Tastenkünstler. Der litt bisher an dem Manko, dass ihm in den langsamen Sätzen nicht viel einfiel, dass nach bravourösen Allegro-Kopfsätzen die Adagios und Larghettos steil abfielen. Im Zusammenspiel mit großem Orchester aber scheint er da sicherer, freier und redseliger zu sein, sodass das Klaviersolo des Quasi adagio im schlichten Eingangsgesang von Liszts E-Dur-Konzert jedenfalls stimmig wirkt. In der Larghetto-Romanze von Frédéric Chopins erstem Klavierkonzert ist er ohnehin weich eingebettet in sanften Streicherklang. Aber man spürt schon, wie er darauf wartet, dass es wieder perlt und glitzert, alles was sich in dieser Hinsicht im Larghetto bietet, kostet er aus. Der Flügel klingt manchmal hart, auch mal metallisch, hat bisweilen dabei aber auch, wie gegen Ende der Romanze, die Frische und Klarheit eines munteren Gebirgsbaches. Yundi Li ist trotz großer internationaler Erfolge seriös geblieben. Was man schon daran hört, dass er in den langsamen Sätzen nicht mehr Gefühl vortäuscht, als er hat oder zeigen will. Gleiches gilt für die technischen Raffinessen, obwohl die beachtlich sind.

Helmut Mauró, 15.02.2007



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