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Frédéric Chopin

Préludes

Rafał Blechacz

DG/Universal 477 6592
(59 Min., 7/2007) 1 CD

Wunder gibt es immer wieder. Heißt es. Also glauben wir es. Aber gibt es auch immer wieder Wunderkinder? Manch von seinem Gefühl überwältigter und ganz und gar hingerissener Zeitgenosse meint dies, nachdem er den polnischen Pianisten Rafał Blechacz gehört hat, wenn er Chopin spielt (und er spielt ja fast nur Chopin gegenwärtig). Und auch die Jury des Warschauer Wettbewerbs war sich heuer einig: Der kann alles besser als die anderen, dieser junge Teufelskerl. Nie zuvor gewann ein und derselbe Pianist sämtliche Preise. Beschaut man nun das Tun dieses neuen Sterns am Tastenhimmel, so lässt sich zumindest eines sagen ohne rot zu werden: Verdammt begabt ist er, der Rafał. Ein Klangsensualist vor dem Herrn, ausgestattet mit einer technischen Fertigkeit, die ihm alle Türen öffnet. Doch eben da liegt das kleine, aber feine Problem. Noch – und die Betonung liegt angesichts der enormen Begabung auf diesem Wort – noch lässt er diese und auch jene Tür verschlossen. Man hört es in der vorliegenden Aufnahme der Préludes seines Haus- und Hofkomponisten zumal in den Stücken, die scheinbar so leicht sind und gerade deswegen den großen Gestalter verlangen: in jenen Préludes also, in denen pianistische Brillanz (wie sie zu finden ist in den Stücken in b-Moll, d-Moll und fis-Moll) nicht genügt, um einzudringen in Chopins Ideenkosmos. Zum e-Moll-Prélude etwa und ebenso zum so genannten Regentropfen-Prélude fällt Blechacz kaum etwas ein, da spürt man seine interpretatorische Naivität. Ist hingegen romantisches Sehnen und Seufzen und Schwelgen (oder alles zusammen) gefragt, zeigt der Pole sozusagen sein ganzes Herz. Da ist man dann, ob nun Agnostiker oder Glaubender, doch mitgefangen, mitgehangen, mitgerissen, fortgespült in die Welt der idealistischen Traumlandschaften. Fassen wir also zusammen: Man wird abwarten und auf die Entwicklung mit größter Aufmerksamkeit achten wollen.

Tom Persich, 20.10.2007



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