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Giovanni Pierluigi da Palestrina, Cipriano de Rore, Vincenzo Ruffo, Giovanni Paolo Cima, Jacques Arcadelt u.a.

Vergine Bella – Madrigali da sonar

Arianna Savall, Il Desiderio, Thomas Kügler

Aeolus/Note 1 AE10146
(70 Min., 10/2004, 1/2005) 1 CD

Es ist die Freude an der Virtuosität, die am Ende der Renaissancezeit den Ausweg weist aus einer zu höchster Vollkommenheit gelangten (und darin teils erstarrten) Vokalpolyfonie, einer Satzweise, die vom völlig gleichberechtigten Miteinander aller Stimmen lebt und damit per definitionem nicht das Hervortreten eines einzelnen Interpreten erlaubt. Sie haben es dann eben doch getan, die experimentierfreudigen Vokalisten und Instrumentalisten jener Zeit: Sie haben die polyfone Vokalmusik zunächst einmal gemischt besetzt, so dass einzelne Stimmen durch ihre prägnante Klangfarbe aus dem Gesamtgeflecht heraustraten. Sie haben sodann einige der Stimmen des Satzes diminuiert, also ursprünglich vergleichsweise lange Töne mit vielen schnellen Noten umspielt – und schon konnte ein Madrigal zur effektvollen Virtuosennummer für flinke Flötisten, Streicher oder Sänger werden. Freilich haben die Musiker nicht zu mittelmäßiger, sondern zu an sich schon guter Literatur gegriffen, um sich improvisierend daran zu erproben: Palestrinas "Vestiva i colli" gehörte zu den beliebtesten Vorlagen, darüber hinaus Stücke von Arcadelt, de Rore, Ruffo und manchen anderen. Einige der sicher im freien Extemporieren entstandenen Diminutionen wurden glücklicherweise aufgeschrieben. CDs mit diesem reizvollen und musikgeschichtlich zudem so interessanten Repertoire liegen bis heute nicht eben auf der Straße. Gut, dass sich die Musiker des Ensembles "Il Desiderio" gemeinsam mit der Sopranistin Arianna Savall (Tochter aus kompetentem Hause) mit einer Menge solcher Diminutionen auseinandergesetzt und sie auf ansprechende Weise eingespielt haben. Soweit, so gut. Was dieser Einspielung allerdings ein wenig fehlt, ist die größere Vielfalt instrumentaler Farben: Ein Zink etwa würde etwas Abwechslung in diese recht stille Musik der Flöten und Harfen bringen. Ferner vermissen wir die vokale Virtuosität: Arianna Savall kommt fast ausschließlich "unverziert" zum Einsatz. Schade: "Anchor che col partire" von Rore/Rogniono lässt erahnen, was uns entgeht.

Michael Wersin, 17.07.2008



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