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Johann Sebastian Bach, Matthias Weckmann, Arcangelo Corelli u.a.

Gustav Leonhardt Jubilee Edition

Gustav Leonhardt u.a.

SonyBMG 8869731897
(750 Min., 1965-1997) 15 CDs

"Those were the days, my friend" – als die Major-Labels (oder die Firmen, die mittlerweile von den Majors geschluckt wurden) noch solche Schallplatten machten: Cembalomusik von Rameau, Le Roux, Froberger, Weckmann, Böhm, Orgelmusik von Muffat, Pachelbel, Kerll, Merula, Scheidemann ... Schöne, wundervolle Anthologien durfte Gustav Leonhardt auf herrlichen Instrumenten aufnehmen, dies alles und noch viel mehr in der ihm eigenen nüchternen, trockenen, niemals effektheischenden Interpretationsstilistik. Gustav Leonhardt, der am 30. Mai 2008 80 Jahre alt wurde, war nie ein Mann der Äußerlichkeiten. Vielmehr ein ernsthafter bis strenger Grübler, kompromisslos der Sache zugewandt, ein akribischer Quellenkundler und profunder Kenner historischer Tasteninstrumente. Wer bloße Virtuosität sucht, ist mit Leonhardts "Goldbergvariationen" (hier enthalten die Einspielung von 1978) sicher nicht gut bedient, zumal, wenn er Glenn Goulds Versionen kennt. Wer aber sich versenken möchte in die Struktur der Musik, wer die einzelnen Linien plastisch hören, wer barocke Tanztypen dezidiert und prägnant mit ihren metrisch-rhythmischen Spezifika erleben möchte, dem werden diese "Goldbergvariationen" nach kurzer Einhörzeit ebenso gefallen wie die Suiten von Couperin, Böhm und Weckmann, die diese Box neben vielem anderen bereithält. Wer sich mit Leonhardt auf eine Reise durch die europäische Orgellandschaft begeben und dabei die Musik nicht nur J. S. Bachs und Buxtehudes, sondern auch die Scheidmanns, Sweelincks und mancher anderer frühbarocker Meister in ihrer vollen Schönheit, Klarheit und inneren Logik erleben möchte, der wird ebenfalls viel Freude haben an dieser Box.
Ein Wiederhören gibt es zudem mit alten Weggefährten: Frans Brüggen, Anner Bylsma und die Kuijken-Brüder sind bei drei zeitlos gültigen Kammermusik-Programmen mit von der Partie. Am ehesten in ihrer interpretationshistorischen Wertigkeit zu würdigen sind vielleicht die Bachkanten mit dem Tölzer Knabenchor (als Beispiele für Leonhardts umfangreichem Beitrag zur ersten Gesamtaufnahme auf alten Instrumenten) und die Bachconcerti mit dem "Collegium aureum", der einstigen "Hausband" des Labels dhm – auf diesen Gebieten gibt es heute wohl doch weit Hörenswerteres. Für alles andere jedoch sei Gustav Leonhardts Überzeugung, der er im Beiheft-Interview Ausdruck verleiht, beigepflichtet: Die historisierenden Einspielungen der 70er Jahre haben keineswegs ihren Wert verloren – wenn sie von einen so sensiblen, gewissenhaften und im positiven Sinne objektivem Musikdenker wie dem Jubilar eingespielt wurden, wohlgemerkt!

Michael Wersin, 01.08.2008



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