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Johannes Brahms

Sinfonie Nr. 1, Haydn-Variationen

Wiener Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler

Preiser Records/Naxos 7 17281 90432 2
(70 Min., 11/1947, 3/1949) 1 CD

1922 dirigierte Wilhelm Furtwängler die Wiener Philharmoniker zum ersten Mal, und diese Verbindung hielt bis zu seinem Tod 1954. Bis zu seinem Ende auch begleitete ihn Brahms' Erste Sinfonie. Diese Aufnahme, 1947 als Produktion, nicht als Konzert-Mitschnitt entstanden, verrät, wie sehr seine interpretatorische Lebensarbeit noch Veränderungen, Entdeckungen und Perspektivwechseln unterworfen war, besitzen wir doch einen Mitschnitt von 1952, ebenfalls mit den Wiener Philharmonikern. Ein Vergleich ist fesselnd.
Fünf Jahre ließen eine gewisse Beruhigung einkehren. So ist in dieser früheren Version der Kopfsatz von harschen Kontrasten, von Ausdruckswillen geradezu durchglüht, den Furtwängler 1952 etwas gemildert, wenngleich nicht abgelegt hat. Es fällt besonders in der Durchführung auf: Aus dem Pianissimo-Brüten steigt das choralartige Thema, in dem diese Durchführung gipfelt, mit einem fiebrigen Accelerando auf – so typisch für Furtwängler –, das man im Mitschnitt von 1952 so nicht hört. Auch der Jubel-Schluss wird zu einem erhitzen Emporreißen, das 1952 einer dramatischen Verflüssigung gewichen ist.
Die Tempi haben sich kaum geändert, nur empfindet man sie völlig anders. So sind die Massenverschiebungen im späten Wirken Furtwänglers nachzuerleben, was diese Veröffentlichung wertvoll macht wie eigentlich jede Bereicherung des Furtwängler-Repertoires auf CD.

Matthias Kornemann, 25.09.2000



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