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Joseph Haydn, Anton Kraft

Cellokonzerte, Cellosonate

Jens Peter Maintz, Dávid Adorján, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Thomas Klug

Berlin Classics/Edel 0016322BC
(63 Min., 4-5/2007) 1 CD

Cellokonzerte gibt es nicht wie Sand am Meer. Zwei der leuchtkräftigsten, der charmantesten und pointiertesten sind die von Joseph Haydn – vor ihm hatte sich lediglich Carl Philipp Emmanuel Bach konzertant mit der Kniegeige auseinandergesetzt. Aber Haydn hatte auch in seinem Orchester auf Schloss Esterháza einen Cellisten, der wahrlich sein Salz und Pfeffer wert war: Anton Kraft. Er hat wohl mitgeholfen, den Cellopart dieser hochvirtuosen Konzerte an der Grenze zur Unspielbarkeit gerade noch "festzumachen". Dass der Mann auch selber komponierte, wusste ich als Cellist vor dieser meist (positiv) aufregenden Veröffentlichung eines der besten deutschen Cellisten, Jens Peter Maintz, selber nicht. Zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen spielt Maintz die beiden Haydnkonzerte in etwas, das man "semi-period-style" nennen könnte, das aber mitunter so aufdreht, dass sogar Anton Kraft die obligaten Augengläser explodiert wären. Und dann spielt Jens Peter Maintz moderne Kadenzen, die zumindest beim D-Dur-Konzert mitunter das schlanke Werk auf die Matte zu ringen versuchen.
Das Beste an der Aufnahme ist, dass der Solist hörbar selber seinen Spaß hatte – dass er nirgends Pflichtrepertoire "abhakt". Seine eigene Kadenz zum dritten Satz von Haydns D-Dur-Konzert spricht in dieser Hinsicht Bände: So kurz sie ist, so witzig ist sie. Pure Cellospielfreude. Und die Sonate des Virtuosen Anton Kraft, für die allerdings sehr seltene Besetzung zweier Celli, hat genau diesen aufmüpfig-übermütigen Ton, den auch Haydn anstrebte. Oder eigentlich noch mehr davon. Wenn man sie hört, kann man gar nicht glauben, dass derlei im 18. Jahrhundert geschrieben wurde; dabei hat es sogar fast noch mehr zu tun mit dem "empfindsamen" Stil eines C. P. E. Bach, worin es nur auf die Schwankungen des Gefühls ankam, mithin auf die Überraschung. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Kenner über diese Aufnahme ihre empfindlichen Näschen rümpfen werden. Aber wenn's um die schiere Lebendigkeit geht, gepaart selbstverständlich mit großer Metierbeherrschung, dann schlägt so gut wie nichts sie, was in letzter Zeit so herauskam.

Thomas Rübenacker, 15.08.2008



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