home

N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



Wie der Name des englischen Labels "Opera Rara" schon andeutet, will man all diejenigen versorgen, die schon alles zu haben und zu kennen glauben. Dass es sich dann bei den oftmals weltersteingespielten Ausgrabungen unbedingt um vergessene Meisterwerke handeln muss, gehört zwar nicht zur Veröffentlichungsphilosophie. Aber wenn man durch die Bank mit Dirigenten, Orchestern und Sängerensembles zusammenarbeitet, die mit unüberhörbarem Spaß und Einsatz bei der Sache sind, dann können aus so manchen Trouvaillen funkelnde Edelsteine werden. Wie jetzt bei der CD-Premiere der Opéra-comique "La cour de Célimène" von Ambroise Thomas. 1855 in Paris uraufgeführt, gehörte auch dieser Zweiakter zu jenen schablonenhaft angelegten Opéra-bouffe, wie sie in der Zweiten Republik en vogue waren. Einen gewissen Nachruhm sicherte Ambroise Thomas sich eher mit seinen Opern "Mignon" und "Hamlet".
Den musikliterarischen Anspruch kann Thomas' "La cour de Célimène" trotz der aus Molières "Misanthrope" entlehnten Titelfigur Célimène nicht ganz erfüllen. Doch dagegen bieten die musikalischen Ingredienzien dank einer durchweg aufgeweckten Mannschaft eine Kurzweil, die nicht ganz, aber doch fast an so manche Offenbachiade heranreicht. Der Handlungsfaden ist da denkbar einfach ausgelegt: Eine mannstolle Comtesse kann sich zwischen gleich zwölf Verehrern nicht entscheiden. Das musste im Groben ausreichen, um darunter eine mitreißende, niemals ermüdende Partitur zu legen. Was Thomas geschafft hat! Für die Comtesse (hier die mit allen Koloraturreizen herrlich kokettierende Laura Claycomb) komponierte Thomas die Arie "Que voulez-vous", die ab sofort bei keinem Opéra-comique-Potpourri mehr fehlen darf. Und selbst in den Chorsätzen steckt ein dauerpulsierender Elan, den das Philharmonia Orchestra mit Bravour vorgibt. "La cour de Célimène” mag kein genialer Wurf sein – nach dieser Aufnahme könnte man das aber glatt vergessen.

Guido Fischer, 23.08.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Im Mondschatten: Während Neil Armstrong und Buzz Aldrin den Mond erkundeten, verbrachte Michael Collins, der dritte Astronaut im Bunde, pro Umrundung je 46:38 Minuten allein im Funkschatten des Erdtrabanten. Exakt so lang dauert auch dieses Album des Jazzpianisten Michael Wollny, der Parallelen zieht zwischen jenen historischen Ereignissen aus dem Jahr 1969 und der Corona-Pandemie. Die Einsamkeit ist hier der Konnex. So nahm Wollny, als die Welt aus den Fugen geriet, in Pandemie-bedingter, […] mehr


Abo

Top