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Robert Schumann

Sinfonie Nr. 3

Royal Philharmonic Orchestra, Dirk Joeres

Regis RRC 1237
(60 Min., 1995-2003) 1 CD

Das Orchestrieren klassischer Klavierwerke gehörte lange zu den wichtigsten Hausaufgaben angehender Komponisten. Auch dem jungen Tschaikowsky blieb diese Lektion nicht erspart, doch der Student des St. Petersburger Konservatoriums durfte sich wenigstens einen seiner Lieblingskomponisten aussuchen. Die beiden letzten sinfonischen Etüden Robert Schumanns bearbeitete der 23-Jährige und aus dem Wechselspiel zwischen Flöte und Klarinette in Etüde Nr. 11 mag man tatsächlich eine Umdeutung von Schumanns glutvoller Schwärmerei in typische Tschaikowsky-Melancholie heraushören. Mit der Ersteinspielung dieser sechsminütigen Petitesse erschöpft sich leider schon das Interesse an dieser Schumann-CD, denn zu den Hauptwerken, der „Rheinischen“ und „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ op. 52 haben Dirk Joeres und das Royal Philharmonic Orchestra herzlich wenig Neues zu sagen. Joeres und sein mäßig inspiriert aufspielendes Orchester gehen ihren Schumann gelassen und mit Willen zum Lyrischen an, doch schon im Kopfsatz entwickelt das Haupthema nicht genug Elan, um die Entwicklung anzuschieben. Den Stimmungsbildern der Mittelsätze fehlt die erzählerische Lebendigkeit, der feierliche Tonfall des vierten Satzes wird durch unsauberes Spiel und leierndes Vibrato gestört. Ohne Überschwang tritt auch das Opus 52 ziemlich auf der Stelle – in der Ouvertüre beispielsweise verpasst Joeres die Chance, die Energien des ziellos kreisenden Themas so zu stauen, dass der Schlussteil tatsächlich wie eine Befreiung losbrechen kann. Nur für Vollständigkeitsfanatiker.

Jörg Königsdorf, 29.08.2008



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