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Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95, sinfonische Variationen über ein eigenes Thema op. 78

Marin Alsop, Baltimore Symphony Orchestra

Naxos 8.57 0714
(65 Min., 6/2007) 1 CD

Natürlich stöhnt man zunächst: noch eine Neunte Dvořáks!? Zumal hier beim ersten Höreindruck nichts vordergründig „Neues“ zu vernehmen ist. Doch erstens darf und kann das nicht Hauptkriterium einer Interpretation bzw. ihrer Bewertung sein; und zweitens hat Marin Alsop, wie bereits ihre Bartók- und Brahmsaufnahmen gezeigt haben, ein plakatives „Anders-Machen“ nicht nötig (das dann, wie bei manchem ihrer egomanen Kollegen, krampfhaft als „heutige, moderne Sicht“ auf Altvertrautes verkauft wird). Die in Birmingham gefeierte und seit einem Jahr in Baltimore tätige Chefdirigentin, die erste Frau im Übrigen, die ein großes US-Orchester leitet, ist vielmehr eine uneitle, detailgetreue Sachverwalterin ihrer Partituren und – dies zeigt ein zweites, genaueres Hinhören – eine Klangfarbenzauberin.
Wie sie in Dvořáks letztem Gattungsbeitrag von 1893 vor allem die getragenen Abschnitte, allen voran das Largo, aushört und eine geradezu vollendete Klangbalance modelliert, das ist bewundernswert und wahrlich keine Selbstverständlichkeit – auch nicht bei den „großen Alten“ in der Dvořákdiskographie wie beispielsweise Ancerl, Neumann, Kertész oder Kubelík. Da sich die Englischhornmelodie nahtlos einpasst in ihren so sensibel ausgeloteten „Umhang“, droht bei Alsop auch nie jene Rührseligkeit, die sich nicht selten wie Mehltau über diesen Satz legt. (Mit diesen Qualitäten scheint überdies auch die strapazierte Frage, ob Dvořák in der „Neuen Welt“ eher indianisches oder böhmisches Kolorit zu Papier gebracht hat, schlicht überflüssig.) Dass Alsop gleichwohl nicht allerhöchste Dvořákweihen zuteil werden, offenbaren die Sätze drei und vier der Neunten sowie die rhythmisch markanten Nummern der 27 sinfonischen Variationen von 1877: Da lodert das (Polka-)Feuer, das jene Alten – aber auch neueren Datums Abbado und Mackerras – entfacht haben, doch höher und heller als das der New Yorkerin.

Christoph Braun, 12.09.2008



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