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Gabriel Fauré

Cellosonaten Nr. 1 & 2 u.a.

Maria Kliegel, Nina Tichman

Naxos 8.55 7889
(63 Min., 12/2005) 1 CD

Was hier offeriert wird als „Cellosonaten Nr. 1 und 2“ (sowie Zugaben) ist tatsächlich das Gesamtwerk Gabriel Faurés für Violoncello und Klavier, es fehlt nur ein minutenkurzes Allegretto moderato von 1897, das für zwei Celli komponiert ist. Die Petitessen, zu denen immerhin auch die grandios-leidenschaftliche Élégie zählt, entstammen nahezu komplett dem Frühwerk, die Sonaten sind späte Gebilde – geschrieben bereits im 20. Jahrhundert, als Fauré immer tiefer in sein Inneres vordrang und ergo seine Musik immer nachdenklicher wurde, bis hin zur Sprödigkeit. Maria Kliegel, ein Protegé von Mstislaw Rostropowitsch, spielt das Frühwerk denn auch vollsaftig, wie's die Art ihres Mentors war, mit einem Vibrato, das mitunter ein bisschen zum Knödeln neigt. Dennoch gelingt ihr dieses Frühwerk eindrucksvoll, weil es sich der Attacke willig hingibt: Gerade die Élégie, die Kliegels anderer großer Mentor, János Starker, glatt wie Chromstahl spielte, profitiert von der Aufrauhung. Ebenso das Schwesterstück, vom Verleger zum Ärger Faurés „Papillon“ genannt, das in harmloser Virtuosität sein schmales Gesicht verlieren könnte: Kliegel pointiert es teils so ungewohnt, dass es einem geradezu neu erscheint.
Maria Kliegels eher härenes Cellospiel leiht dann auch den beiden späten Sonaten eine distinkte Physiognomie – mehr, als die wackere Pianistin Nina Tichman es vermag. So klafft eine Verständnislücke zwischen dem Streichinstrument und der Begleitung, die hier natürlich absolut gleichrangig sein müsste. Das Ensemblespiel, in Noten gemessen, funktioniert schlackenlos, aber es sind zwei verschiedene Welten, die erklingen. Hat Fauré das beabsichtigt? Man weiß es nicht. Und in manchen Momenten – etwa dem Andante der ersten Sonate – finden sie einander auch in einem Einklang, der die Musik glückhaft vorantreibt. Nimmt man als Referenzaufnahme diejenige mit Steven Isserlis und Pascal Devoyon, die weit abgeklärter ist, dann hat die von Kliegel/Tichman durchaus ihre eigene Qualität: Das Ringen ums Material, das wohl auch der zunehmend ertaubende Fauré zu leisten hatte, wird hier offenbar. Isserlis lässt davon wenig spüren, er spielt glorios Musik, die in der Geschichte abgelegt ist. Kliegels Version bringt sie einem, über den Raum bald eines Jahrhunderts, nahe. Sie wird unmittelbar.

Thomas Rübenacker, 12.09.2008



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