Responsive image
Johannes Brahms

Klavierkonzert Nr. 2, Sinfonie Nr. 3

Vladimir Horowitz, NBC Symphony Orchestra, Arturo Toscanini

Music & Arts/Note 1 0 17685 10772 6
(80 Min., 3/1946, 10/1948)

Seit 1927 war das zweite Brahms-Konzert fest in Horowitz' Repertoire, 1939 spielte er es zum ersten Mal unter Toscanini, und im Mai 1940 entstand die bekannte Schallplattenaufnahme, die ganz und gar die kraftvoll lichte, noch im dicksten Akkordgemenge durchhörbare Sonnenseite des Konzertes auslebt. Doch diese widerstandslose Verflüssigung des mächtigen Konzertes war ein etwas ausdrucksschmaler Zugang. Die einleitende Klavierfigur rollte Horowitz so mühelos aus wie eine hauchdünne Stoffbahn. Wäre er mit seiner Aufnahme absolut zufrieden gewesen - er war es tatsächlich nicht - , dann klänge dieser bei Music & Arts erschienene Mitschnitt der letzten gemeinsamen Aufführung des Stückes vom 23. Oktober 1948 anders.
Hört man flüchtig zu, scheint alles beim Alten zu sein. Die Tempi sind schneidig, der NBC-Orchesterklang ebenso, und Horowitz' Spiel ist keinen Deut fetter oder pedaltrunkener geworden. Schlank und sportiv bleiben die Akkordkaskaden. Und doch ist alles anders in dieser Aufnahme. Schon im Eingangssolo erwacht die Basslinie zu beunruhigendem Eigenleben. Solche Verdickungen des lichten Flusses, solche Artikulations-Verklumpungen geben auch den Oktavgängen am Ende der Exposition aufregendes Relief. Aus der zuvor sanft abgedeckten Dämmerzone treten überall gewichtige Akzente und Figuren hervor, und die glitzernde B-Dur-Welt zeigt sich in den härteren Konturen und längeren, schwärzeren Schatten einer tieferstehenden Sonne. Horowitz aber näherte sich mit seinen neuentdeckten herrisch-widerborstigen Basslinien der Grenze zur Manier. Er hat sie nicht überschritten. Seine Beschäftigung mit dem Brahms-Konzert hatte in diesem ersten Ausflug auf die Schattenseite des Werks ihr Ende gefunden.

Matthias Kornemann, 08.02.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das Fünfte Element: Als Protegée des 3. Duke of Essex lässt sich 1714 der italienische Violinist Francesco Geminiani in London nieder, unterrichtet und komponiert. Während Georg Friedrich Händel (letztlich erfolglos) versucht, der italienischen Oper ein Standbein in der Weltstadt zu verschaffen, ist Geminiani als Virtuose erfolgreich. Erst auf Konzerttournee durch Irland, dann auch in London selbst. Den Durchbruch verschafft ihm aber die Bearbeitung eines Meisterwerks: Seine Concerti […] mehr »


Top