Er ist der Hinhörer und Hingucker einer jeden Opernaufführung, an der er beteiligt ist: René Pape, 1964 geborener Bassist, beeindruckt stets durch die Schönheit und Kraft seiner Ausnahmestimme, obwohl die Besetzungslisten des Opernrepertoires für ihn immer „nur“ die Rollen von Göttern, Königen und Dämonen (daher der Titel dieser CD) bereithalten, nie jedoch die Partie eines jugendlichen Liebhabers. Dies ist vermutlich auch ein Grund dafür, dass Bassisten Angebote für Solorecitals nicht gerade nachgeschmissen bekommen – auch Pape musste ja ziemlich lange auf diese Gelegenheit warten.
Nun sind wir froh, dass sein Soloalbum endlich da ist. Von Gounods Méphistophélès („Faust“) bis hin zu Verdis Filippo („Don Carlo“), von Dvořáks Vodník („Rusalka“) bis hin zu Wagners König Marke („Tristan und Isolde“) reicht das Figurenspektrum, das Pape engagiert und differenziert durchmisst. Präsent ist dabei stets die edle Qualität seines wunderbaren Materials; als König Marke ist er dadurch kein resignierter und blasser, sondern ein jugendlicher, aufrechter Verlierer. Als Wotan (repräsentiert nur durch eine kurze Szene aus dem „Rheingold“) gibt er schönsten Hoffnungen Nahrung: Im Jahre 2010 will er diese Partie in einem kompletten „Ring“ erstmals verkörpern. Nicht Papes Sache sind polternde Effekte und vordergründiges Pathos; wer einen „Méphistophélès“ ähnlich demjenigen von Boris Christoff erwartet, der kommt nicht auf seine Kosten. Vielleicht sind es, so meint der Autor – Papes Seriosität dabei durchaus in Ehren haltend –, insgesamt weniger die Dämonen als die Könige oder Götter, die dem Sänger gut zu Gesichte stehen. Bei aller Kernigkeit und Kraft, die sein Material zu entfalten vermag, ist Pape doch eher der tugendsame, geradlinige Ehrliche als der verschlagene Bösewicht.

Michael Wersin, 19.09.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top