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Johannes Brahms, Claude Debussy, Sergei Prokofjew

Klavierstücke op. 76 u.a.

Amir Tebenikhin

Naxos 8.554768
(72 Min., 10/1999) 1 CD

Wer diese CD zur Hand nähme ohne leises Gelüst auf einen Kalauer, müsste wohl ein heiliger Kritikus sein. Ein junger Kasache, der einen Wettbewerb in Macao und einen in Turkmenistan gewonnen hat. Aufregend!
Man kann mir jetzt den Vorwurf machen, nachfolgende Hymnen entsprössen lediglich dem fruchtbaren Boden niedrigster Erwartungen, aber wer Amir Tebenikhins Klavierspiel hört, wird sich mit Sicherheit wundern. Besonders die Intermezzi aus Brahms op. 76 sind von unbegreiflicher Vollkommenheit. Welcher junge Künstler würde die brahmssche Wehmut nicht zu seiner eigenen machen wollen und übertreiben? Es zeugt von fast unheimlicher Reife, wie Tebenikhin die in dichtesten Satz gedrängte, zurückgenommene Gefühlswelt dieser Stücke in ein Spiel der Stille, der sachten Andeutung, des minimalen Innehaltens, des fast unhörbaren Akzentes übersetzt.
So viel altersreife Gelassenheit bestürzt fast. Die Wärme des Tons und die sangliche Phrasierung sind erlesen schön, die Durchlichtung der komplizierten stimmlichen und rhythmischen Struktur ebenso, und das alles wird nirgendwo vorgeführt als Ausweis ehrgeiziger Könnerschaft. Man könnte Seiten schreiben über souverän gelöste pianistische Details.
Wenn diese CD mehr ist als ein rätselhaftes Denkmal wetterleuchtend-unwiederholbarer, inspirierter Stunden, dann ist Tebenikhin auf dem Wege, ein großer Brahmsinterpret zu werden.

Matthias Kornemann, 07.06.2001



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