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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Thierry Pécou

L´Oiseau innumérable, Outre-mémoire, variances u.a.

Alexandre Tharaud, Ensemble orchestral de Paris, Andrea Quinn

harmonia mundi HMC 901974
(64 Min., 10/2006, 5/2007) 1 CD

Alexandre Tharaud gehört an den Tasten zu den Überraschungstätern und "Querfeldeinspielern". Kaum hat er sich so treffsicher der weiten, französischen Barockwelt eines Couperin und Rameau angenommen, macht er jetzt auf dem Absatz kehrt, um sich einem zeitgenössischen Landsmann zu widmen. Thierry Pécou heißt der 1965 in Boulogne-Billancourt geborene und im deutschsprachigen Raum noch ziemlich unbekannte Komponist. Und wenn man nach den für Tharaud komponierten und arrangierten Klavierwerken geht, gehört Pécou nicht einer bestimmten Neue-Musik-Ideologie an. Mal gibt er sich glasperlenverspielt abstrakt. Mal geht er im besten Kagel-Sinne die Tradition phantasmagorisch an. Oder – wie im viersätzigen, 2007 uraufgeführten Klavierkonzert "L´Oiseau innumérable" –kombiniert er expressiv drängende Klanginseln mit motorischen Exerzitien, burlesken Rhythmen und schneidenden Strawinsky-Flöten.
Alexandre Tharaud lässt es dem Konzert, das ihm gewidmet ist, einerseits nicht an der nötigen Elektrizität fehlen. Doch die ganz auf Betriebsamkeit ausgerichtete Partitur kann auch er nicht aus einer gewissen "leeren" Überfrachtung retten. Die beiden Zyklen für Klavier solo sind da in ihren klangverschärften Profilen raffinierter. Die sieben Sätze von "Outre-mémoire, variances" (2004) besitzen bisweilen die rhythmische Verve eines György Ligeti, wuchern die Klangvaleurs vegetativ mal ins Halsbrecherische, mal ins sich sinnlich Hingebende. Das "Petit Livre pour clavier" basiert dagegen auf Orgelstückchen, die Tharaud nun u. a. auf dem Klavier, dem Clavichord und einem Orgelpositiv spielt. Und in den intimen Reibungen, in die Pécou vertraute Instrumentenklänge mit modernen Materialsubstanzen verwickelt, stellt sich ein lustvoll vergnügliches Spiel mit Identitäten ein. So ist denn das Finale dieses Pécou-Porträts entsprechend konsequent gestaltet, wenn auf Pécous schauerlich bizarre Fantasie "Après Rameau, une sarabande?" Tharaud mit einer vor Innigkeit überquellenden Original-Sarabande von Rameau antwortet.

Guido Fischer, 17.10.2008



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