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Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart

Klaviersonate Es-Dur Hob. XVI:52, Klaviersonate A-Dur op. 2 Nr. 2, Klaviersonate D-Dur KV 311

Rafał Blechacz

DG/Universal 477 7453
(60 Min., 7/2008) 1 CD

Schon mutig von Rafal Blechacz, sein zweites Album der Wiener Klassik zu widmen: Nirgends sind die Lorbeeren so schwer zu erringen wie bei Mozart, Beethoven und Haydn. Unerbittlich wie ein Spiegel geben die drei Klaviersonaten, die der junge Gewinner des Warschauer Chopin-Wettbewerbs auf seinem zweiten Album zusammengekoppelt hat, das Bild ihres Interpreten zurück: eines braven, ernsthaften Pianisten mit ausgezeichneter Technik, aber auch ohne markante Persönlichkeit.
Mit sorgfältig gestufter Dynamik entwickelt er Haydns späte Es-Dur-Sonate aus dem sinfonischen Geist der Londoner Sinfonien heraus – Spielwitz und die Lust an der Überraschung des Hörers sind allerdings Fehlanzeige. Auch in Mozarts früher Mannheimer D-Dur Sonate wählt Blechacz zwar einen nicht unpassenden, fein perlenden Ton und bemüht sich um Opera-buffa-Theatralik, kann aber nicht verhindern, dass sein Spiel etwa im Schlussrondo immer wieder in Klavierstundenbravheit abrutscht – das Mozart'sche Stimmgeplänkel hätte deutlich frecher und beherzter klingen müssen. Nicht einmal die explizite Aufforderung zur Leidenschaft im Largo appassionato von Beethovens Opus 2 Nr. 2 vermag den Polen aus der Reserve zu locken: Träge tröpfeln die breiten Staccatonoten der linken Hand; statt emotionale Spannungen aufzubauen, die die Entwicklung der Musik von selbst vorantreiben, scheint Blechacz das Material bloß mit interesselosem Wohlgefallen von außen zu betrachten. Und wenn einer mit Anfang zwanzig kein Temperament hat, wann denn dann?

Jörg Königsdorf, 17.10.2008



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