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Antonio Vivaldi

Concerti a quattro violini

Ensemble 415, Chiara Banchini

Zig Zag Territoires/Note 1 ZZT 070902
(54 Min., 09/2006)

Als "Violiniste-Compositeur", als komponierenden Violinvirtuosen also bezeichnet Ensemblechefin Chiara Banchini im Beiheftinterview Antonio Vivaldi und gibt gleichzeitig Arcangelo Corelli in rein kompositorisch-strukturellen Dingen unumwunden den Vorzug. Vivaldis Musik, so meint sie sinngemäß, muss man im Erklingen zum Erlebnis machen, muss ihm folgen auf der Fährte seiner Überraschungen und Tricks, mit denen er sein Publikum, selbst ganz der Meister seines Instruments, zu fesseln verstand. Diese Äußerungen Banchinis sind der Schlüssel zu dem interpretatorischen Ansatz, den Chiara Banchini in diesem illustren Programm von Concerti für vier Soloviolinen und Orchester gemeinsam mit den Schülern ihrer Baseler Violinklasse verfolgt. Sie sind, dies sei vorweggenommen, auch gleichzeitig eine Erklärung für gelegentliche kleine Imperfektionen in der Darbietung: Hier wird auf Risiko gespielt, hier geht es um die Aussagefähigkeit der Musik in der seinerzeit noch ganz jungen Gattung des Solo-Concerto. Unseren mit Musik mehrerer Jahrhunderte überfütterten und verkleisterten Ohren die Affektenwelt des italienischen Hochbarocks möglichst packend zu vermitteln, ist offenbar das Ziel der Musiker. Dies gelingt auf dieser aufregenden CD über weiteste Strecken sehr gut mit den etablierten und doch immer noch atemberaubend frischen Attributen einer historisch informierten Interpretation. Und so wirbelt, poltert, schwirrt und rauscht es in dieser im Vollzug so wunderbar abenteuerlichen Musik des Vielschreibers Vivaldi mit seinen Hunderten von Concerti, in denen er sich in keinem einzigen so exemplarisch und profund äußert wie J. S. Bach in jedem seiner "Brandenburgischen", aber dennoch stets eine unverwechselbare Atmosphäre der Üppigkeit und des Aus-dem-Vollen-Schöpfens zu evozieren versteht – eine Freude.

Michael Wersin



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