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Love Day

Richard Galliano

Milan/Warner Music 329903992282
(65 Min., 4/2008) 1 CD

Wenn das Akkordeon heute ein ernst zu nehmendes Instrument im Jazz geworden ist, dann ist das zuallererst das Verdienst des 58-jährigen Franzosen Richard Galliano. Ermutigt durch seinen väterlichen Freund Astor Piazzolla hat er die Traditionslinien seiner mediterranen Heimat, der Pariser Musette-Musik und des jazznahen Chansons der Sechzigerjahre mit der rhythmischen und harmonischen Sophistication des Modern Jazz verschmolzen und zu einem ganz persönlichen Stil entwickelt.
"Love Day", sein neuestes Album, ist ein besonders ehrgeiziges wie liebevolles Projekt. Als Programmsuite in zwölf Teilen will es aus einem Gefühl der Zuneigung heraus einen ganzen Tagesverlauf im Sinne eines Lebensverlaufes musikalisch evozieren. Aufgenommen wurde dieses Projekt in den legendären Capital Records Studios in Los Angeles, und mit Galliano musizieren alte Freunde, von denen jeder für sich einen gewichtigen Beitrag zur Stilistik des Jazz geleistet hat. Der Kubaner Gonzalo Rubalcaba spielt Klavier, der in New York heimische Pariser Minu Cinelu bedient Perkussion und Drumset, und am Bass agiert mit Charlie Haden der Mann, der seit Jahrzehnten im Zentrum des Jazzgeschehens steht. Die Musik, die sie machen, ist eher verhalten, auch in den tänzelnd schnelleren Titeln feiert das Latinopotenzial der Besetzung keine Urstände, und die besinnlicheren Sätze wirken eher hübsch als ergreifend. Es scheint, als ob der Engel, den dieses Projekt der Liebe einladen wollte, lieber am Rande des Studios lauschte, als verzaubernd durch den Raum selber zu gehen.

Thomas Fitterling, 07.11.2008



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