Responsive image

Back In New York

Sebastian Schunke

Connector/in-akustik
(55 Min., 3/2008) 1 CD

Eigentlich wollte Sebastian Schunke in New York nur ein Jurapraktikum absolvieren. Doch es kam ganz anders: Der junge Mann, nebenbei klassisch geschulter Pianist, geriet an Musiker, die ihn unter ihre Fittiche nahmen und in die afrokubanische Rhythmuslehre des Son und Montuno einwiesen. Schunke entschied sich gegen den Rechtsanwaltberuf. Und wurde zu einer der interessantesten neuen Figuren des Latin Jazz. Mag der in seine deutsche Heimat zurückgekehrte 35-Jährige hierzulande trotz bemerkenswerter Einspielungen und Auslandsreisen im Begleittross von Horst Köhler (noch) nicht über die Maßen bekannt sein – in den USA kennt und schätzt man ihn.
Wie sehr das der Fall ist, zeigt die Tatsache, dass Klarinettenlegende Paquito D’Rivera auf Schunkes neuem Album nicht bloß als Gaststar, sondern bei jeder Komposition als integraler Bestandteil der Band fungiert. Gewiss: D’Rivera ist solistisch gesehen der Boss und macht von seinen Freiheiten in dieser Hinsicht reichlich, fast schon zu viel, Gebrauch. Da ist man dann gleichermaßen erstaunt und erfreut, wenn Schunke in den Stücken "Vida Pura" und "Be Honest" Anders Nilssons brachial-geschmeidige Rockgitarre als Kontrastmittel zur juchzenden Klarinette einsetzt. Überhaupt: Der wahre Star auf "Back in New York" ist Schunkes Kompositionskunst, die, indem sie afrokubanische Polyrhythmik höchst eigen mit europäischer Sensibilität und Melancholie zusammenbringt, jegliches Klischee vermeidet. Da braucht der Pianist kein überragend virtuoser Improvisator sein. Seine originellen Ideen vermitteln sich auch so im reizvollen Widerspiel von Lässigkeit und Komplexität.

Josef Engels, 13.11.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Lieder kann man herrlich auch auf einem Streichinstrument der mittleren oder tiefen Lage singen. Und ganz ohne Text! Das hat schon Bratscher Antoine Tamestit mit seiner Kombination von Schuberts „Arpeggione“-Sonate in der Fassung für Viola und Arrangements von ausgewählten Liedern bewiesen. Ein ähnliches Konzept liegt der neuen CD „Nacht“ von Cellistin Anja Lechner zugrunde, zum Teil überschneiden sich sogar die arrangierten Lieder wie „Nacht und Träume“. Und auch die […] mehr »


Top