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Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy

Violinkonzerte

Joseph Szigeti, Hallé Orchestra, Hamilton Harty, London Philharmonic Orchestra, Thomas Beecham

Naxos historical 8.110948
(64 Min., 12/1928, 9/1933) 1 CD

Szigeti József, Schüler Jenö Hubays und Freund Bartóks, war Ungar und einer der größten Geiger des 20. Jahrhunderts. Kein Showman, kein Possenreißer, kein Selbst-Dämoniseur (wie sein Landsmann Ivry Gitlis, der sich für eine Wiedergeburt Paganinis hält). Einfach nur ein herausragender Geiger, der seine Arbeit machte, so gut er's vermochte, und dann nach Hause ging. Dass er dennoch ein Star wurde, zeugt von seinem fabelhaften Können.
Er tat viel für die Moderne (außer Bartók z. B. Strawinski, Prokofjew, Busoni), und ebensoviel für die toten Klassiker - er schenkte ihnen Leben. Das Brahms-Konzert, das damals mitnichten schon etabliert war, half er im Kanon der Großen zu verankern. Man liest, Szigetis Spiel sei "altmodisch" gewesen, weil er z. B. Portamenti abwärts gemacht hätte, aber weder diese Naxos-Veröffentlichung noch die vorige mit Beethoven und dem vierten Mozart-Konzert bestätigen das: Szigetis Geigenton ist vielleicht nicht sehr groß, aber dafür erfrischend leicht, schlank und doch in sich gerundet, voll weher Süße, wo sie passt (langsamer Satz Brahms), technisch souverän - das wurde alles ja noch zu Live-Bedingung aufgenommen! -, liebevoll ausphrasiert und mit exakt dosiertem Vibrato.
Am ehesten ließe sich Szigetis Spiel mit dem Leonid Kogans vergleichen, der diese Werkkopplung ebenfalls sehr schlank und ein bisschen gegen die Hörgewohnheit aufgenommen hat, aber auch ätherischer, im Ganzen kühler.
In beiden Fällen wird Szigeti ebenbürtig begleitet, bei Mendelssohn ist der Bonvivant und Charmeur Beecham der Idealpartner, sein von ihm gerade neu gegründetes Orchester reagiert alert und inspiriert. Bei Brahms lotet zu Recht Hamilton Harty mit dem Hallé tiefer, findet ungeahnte Binnenverstrebungen und thematisch-motivische Zusammenhänge. Man hört jedenfalls, dass Harty selbst Komponist war. Mark Obert-Thorns Klangrestauration geriet wieder vorbildlich; nichts ändern konnte er allerdings an dem Oboensolo im langsamen Brahms-Satz: Es klingt wie auf einem Dudelsack geblasen.

Thomas Rübenacker, 04.04.2002



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