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For All I Care

The Bad Plus

Emarcy/Universal 1782164
(49 Min., 4/2008) 1 CD

Dem "New Yorker" sei Dank für die Steilvorlage: The Bad Plus, so das Magazin, seien so etwas wie die Gebrüder Coen des Jazz. Dieser Vergleich umschreibt zu großen Teilen treffend die Musik von Pianist Ethan Iverson, Bassist Reid Anderson und Drummer David King – hochkomisch ist sie und gleichzeitig brutal, surreal und doch auch publikumstauglich. Dieser Scherz sei erlaubt: Das Jazzterritorium der drei US-Amerikaner ist gewiss "no country for old men", sondern ein Fall für Kenner der Pophistorie.
Auch auf "For All I Care" schrauben die Bad-Plus-Mitglieder nun wie ölverschmierte Mechaniker an Stücken von Pink Floyd, Nirvana oder den Bee Gees herum. Doch diesmal, das ist neu, haben sie eine Sängerin hinzugenommen. Wendy Lewis heißt sie, ist anscheinend eine bekannte Größe des Indie-Rock in Minneapolis und versucht erst gar nicht, als Jazzvirtuosin zu glänzen. Ihr schmuckloser, leicht depressiver Gesang ("How Deep Is Your Love" beispielsweise klingt wie eine Nachricht aus der Gruft) passt bestens zum kaum mit langen Improvisationen arbeitenden Grunge- und Garagen-Jazz der Bad Plus. Wie umgekehrt auch das Trio beweist, dass es Stücke von Ligeti, Strawinsky und Milton Babbitt problemlos in sein verschrobenes Paralleluniversum integrieren kann. Wer den verstrahlten Big Lebowski mochte und nichts gegen Singer-Songwriter-Rock einzuwenden hat, ist hier genau richtig.

Josef Engels, 27.11.2008



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