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Frédéric Chopin

Klavierkonzerte

Lang Lang, Wiener Philharmoniker, Zubin Mehta

DG/Universal 477 7449
(73 Min., 6/2008) 1 CD

Der erste Fehler: Lang Lang geht davon aus, dass Chopins Musik grundsätzlich monodisch, also auf eine (Sing-)Stimme orientiert sei. Das erklärt er auch als "lyrischen Aspekt" im mitgelieferten Presseinterview. Dabei muss man kein Musikwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass Chopin seine polyfonen Seiten zwar immer wieder gut versteckt, dass diese aber essenziell sind, um seine Musik zu charakterisieren und gegen die gängige Salonmusik seiner Zeit abzuheben. Lang Lang bleibt bei seiner sangbaren Melodie, die Kunst eines musikalischen Feingeists aber wird hier glattgebügelt.
Der zweite Fehler: Der chinesische Pianist ist ein Freund des "mehr ist mehr". Er neigt bei den beiden hier eingespielten Chopinklavierkonzerten zu beständiger Übercharakterisierung. Er überzeichnet mit Leichtigkeit mit Hilfe seiner stupenden technischen Fähigkeiten, dehnt und beschleunigt, spielt mit erstaunlicher Klangfärbung den seufzenden Herzschmerz aus und kennt auch kein Pardon vor den Grenzen des Kitsches. Doch das Gegenteil, sprich weniger wäre auch hier mehr, Zurückhaltung, wahre Noblesse sucht man bei Lang Lang vergeblich. Hinzu kommt eine unangenehme Aufnahmeakustik: Das Orchester unter Zubin Mehta, der sich gegen den Pianisten auch nicht wehren mag, klingt weit und hallig durch den Großen Saal des Wiener Musikvereins, während das Klavier direkt neben dem Zuhörer aufgestellt scheint, damit der Star auch ja im absoluten Vordergrund bleibt. So spiegelt die Aufnahmetechnik das vermeintliche Primat des Weltstars wider. Das Ganze ergibt eine fatale Mischung, bei der Komponist und Hörer auf der Strecke bleiben. Eine vollkommen entbehrliche Aufnahme.

Matthias Reisner, 11.12.2008



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