Eigentlich hätte in dieser "Carmen" die Luft brennen müssen: Mit Anna Caterina Antonacci, Jonas Kaufmann und Ildebrando d’Arcangelo standen im Dezember 2006 drei Sänger auf der Bühne von Londons Covent Garden, die nicht nur Stimme, sondern auch good looks und die richtige mediterrane Mischung aus Stolz und Leidenschaft mitbrachten. Und dazu noch Antonio Pappano, ein Spezialist für große Leidenschaften im Graben – was konnte da schon schief gehen?
Dass das Ergebnis enttäuscht, liegt weniger an Francesca Zambellos überraschend biederer Inszenierung, die kaum ein Andalusienklischee auslässt, als schlichtweg daran, dass zwischen den Darstellern nichts zu passieren scheint. Barockopern-Sexbombe Antonacci bleibt als Carmen trotz wippender Busen und gespreizter Schenkel herzlich unerotisch und hat statt verführerischer Blicke lediglich ein bissfestes Lächeln und eine grimmige Miene parat – ihre Habanera singt sie ordentlich, aber nicht gerade verführerisch. Und Ildebrando d’Arcangelo, der seinen Auftritt in Lillas Pastias Taverne hoch zu Ross absolviert, beschränkt sich als geschniegelter Torero auf sturen Geradeaus-Gesang – kaum zu glauben, dass dieser gockelige Macho aus Liebe sein Leben riskiert. Am besten schlägt sich noch Jonas Kaufmann, der seinen José überzeugend von Treuherzigkeit zur Raserei steigert. Aber für ein Eifersuchtsdrama ist einer allein leider zu wenig.

Jörg Königsdorf, 27.12.2008



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