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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Robert Schumann

Waldszenen, Album für die Jugend, Kinderszenen, 7 Klavierstücke in Fughettenform u.a.

Andreas Staier

harmonia mundi HMC 901989
(72 Min., 8/2007) 1 CD

Andreas Staier, der renommierte Cembalist und Pianist, legt hier seine zweite Schumann-CD vor, und das mit Programm und Anspruch. Das Programm heißt "Hommage à Bach" – und zwar von Seiten Schumanns. Dass der Romantiker sich mit Bach in seinem tiefsten Wesen auseinandergesetzt hat, ist eine Tatsache, die oft unter den verschiedenen Stilen begraben zu sein scheint, dennoch immer wieder und auch ganz explizit zu Tage tritt. So begegnen wir dem barocken Übervater etwa in den hier veröffentlichten "Sieben Clavierstücken in Fughettenform". Staier wählte für seine Aufnahme einen Érard-Flügel aus dem Jahr 1837, der natürlich zum einen authentisch, zum anderen ein sensibles und farbenreiches Instrument ist, das auch Fans moderner Konzertflügel von sich als Alternative überzeugen kann.
Zunächst glaubt man, eine gewisse innere Distanz Staiers zu hören. Alles wirkt etwas streng, man vermisst vielleicht die Eleganz oder ein Augenzwinkern, mit dem so mancher Schumanninterpret die durchaus dem Irrsinn nahen kuriosen Einfälle des Komponisten begleitet. Doch nach mehrmaligem Hören wird deutlich: Hier hat jemand Schumann ganz ernst genommen. Zum Beispiel auch in den umstrittenen originalen Metronomangaben – und das bedeutet oft schneller oder langsamer als gewohnt. Alles ist ausgearbeitet, durchdacht und wirkt geradezu als Gegenentwurf beispielsweise einer Horowitz-Einspielung. Kein Brillantfeuerwerk erwartet uns, sondern in Farbe, Tempo und Dynamik ausgewogenes Spiel mit der intellektuellen Kraft der Polyfonie. Die poetische Kraft dieser Musik entdeckt der Hörer also weniger in der Gegenwart eines Starinterpreten als in seinem eigenen Nachvollziehen und empfindsamen Abschweifen. Es mag eine Geschmacksfrage sein, ob man so einen Schumann will. Aber eines ist gewiss, die Aufnahme kehrt Aspekte des Romantikers hervor, die wir bei wenigen Interpreten finden.

Matthias Reisner, 08.01.2009



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