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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Johannes Brahms

Violinkonzert, Doppelkonzert

Vadim Repin, Truls Mørk, Gewandhausorchester, Riccardo Chailly

DG/Universal 477 7470
(73 Min., 8/2008) 1 CD

Vadim Repins zweiter Streich bei der Deutschen Grammophon bestätigt den Eindruck des ersten – und übrigens auch den Eindruck, den man sich im Konzert von ihm machen kann: Der Mann ist ein großer Geiger. Das sollte reichen für eine Karriere. Und tut es auch – wohl nicht zuletzt ihm selbst. Die Neueinspielung des Violinkonzerts von Brahms und die des Doppelkonzerts an der Seite des Cellisten Truls Mørk ist frei vom Ehrgeiz, aufzufallen, ist bar musikalischen Futterneids, restlos unaufgeblasen. Repin überdehnt oder staucht nicht, stellt nichts von hinten nach vorn oder von vorn an den Rand: Was er macht, ist triftig und angemessen, sein Spiel entwickelt sich ganz natürlich aus der Sache selbst und ist gleichwohl, bei aller Sorgfalt dem Werk gegenüber, alles andere als platt sachlich, vielmehr ausgesprochen persönlich. Die stille Innigkeit des Adagios ist geradezu atemberaubend, nahezu beispiellos, und in dieser Intensität erheblich Repins sinnlich erfahrbarer Authentizität und Glaubwürdigkeit geschuldet. Mit leichter Kraft behauptet er sich gegenüber dem von Chailly beweglich, aber nicht sonderlich raffiniert dirigierten Gewandhausorchester, sein fokussierter Ton bewahrt volle Präsenz, auch wenn er sich weit ins Pianissimo zurückfallen lässt oder sich das Tutti breit vor ihn stellt. Die Begegnung mit Truls Mørk beim Doppelkonzert verläuft in bestem Einvernehmen. Obschon Mørk hinter Repins feinnerviger Phrasierungskunst etwas zurückbleibt, spielen beide doch ausgezeichnet ineinander. Brahms hat, wie man weiß, die Partien dieses Spätwerks bewusst nicht als bissige Auseinandersetzung angelegt, sondern schon im ersten Solo als Allegorie für Respekt und Freundschaft, die sich als solche hier auch umstandslos vermittelt. Chailly und die Leipziger halten tadellos Schritt mit den launischen Eskapaden der beiden Protagonisten, versprühen aber von sich aus kaum eigenen Esprit.
Eine echte Nullnummer leider das begleitende Booklet: laue Allgemeinplätze über die Künstler, allerdünnste Werkkommentare. Staunend lesen wir da zum Beispiel, dass beim Doppelkonzert auf ein "kräftig entschlossenes Allegro" ein "stimmungsvoller langsamer Satz" und dann ein "tänzerisches Rondo" folgen. Wer hätte das gedacht?

Raoul Mörchen, 30.01.2009



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