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Alexander Tscherepnin

The Symphonies and Piano Concertos

Noriko Ogawa, Sinfonieorchester von Singapur, Lan Shui

BIS/Klassik Center BIS-CD-1717
(274 Min., 1/1999, 1 u. 2/2001, 1/2002) 4 CDs

Alexander Nikolajewitsch Tscherepnin (1899-1977) war ein musikalischer Kosmopolit, dessen bewegtes Leben vom vorrevolutionären St. Petersburg über Tiflis und Paris in die USA führte – mit längeren Aufenthalten in China und Japan. Dennoch belegt diese erste Gesamtaufnahme seiner Sinfonien und Klavierkonzerte eine erstaunlich geschlossene musikalische Sprache. Da gibt es eine unerschöpfliche, Strawinsky verwandte rhythmo-metrische Experimentierfreude, die gerne auch thematische Gestalten auf die reine Rhythmik reduziert (so etwa im Scherzo der 1. Sinfonie [1927], dem ersten nur für Perkussionsinstrumente geschriebenen Stück der Musikgeschichte, das in Paris einen Skandal auslöste). Tcherepnins konstruktive Interessen reichen von folkloristischem Material über selbst erfundene musikalische Skalen bis an den Rand der Atonalität (so im faszinierenden 1. Satz des 1963 in Berlin uraufgeführten 5. Klavierkonzerts). Vorherrschend scheint, von vereinzelten pathetischen Momenten abgesehen, ein spielerischer, oft scherzandohafter Tonfall; mit Prokofjew und Schostakowitsch verbindet Tscherepnin überdies eine Liebe zu kargen, aber bizarren Texturen (das Andante der 1. Sinfonie beginnt mit einem mäandernden Duett von Horn und Trompete, später führen eine stratosphärische Geige und ein Solokontrabass einen Dialog). Vielleicht kann man Alexander Tscherepnin in seinem souveränen Formbewusstsein, perfekten Handwerk und der leichten, expressiven Unterkühltheit am ehesten mit Camille Saint-Saëns vergleichen; jedenfalls ist es frappierend, dass beide durch auf einer Nilfahrt gehörte Gesänge zum langsamen Satz eines Klavierkonzerts angeregt wurden (Saint-Saëns’ 5., Tscherepnins 3.).
Das Singapore Symphony Orchestra spielt unter Lan Shui diese Musik mit delikater Phrasierung und federnder Rhythmik, die glitzernde Eleganz und Perfektion der Pianistin Noriko Ogawa (deren Debussy-Gesamtaufnahme bei BIS gar nicht nachdrücklich genug empfohlen werden kann) macht diese Aufnahme zu einem in doppelter Hinsicht konkurrenzlosen Unternehmen – und vielleicht zum Ausgangspunkt einer Tscherepnin-Renaissance.

Wolfgang Fuhrmann, 05.02.2009



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