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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Henry Purcell

Cembalosuiten und Grounds

Richard Egarr

harmonia mundi HMU 907428
(75 Min., 10/2007) 1 CD

Feuilletonisten mit Berufsehre könnten es Richard Egarr übel nehmen, dass er ihnen mit den Bemerkungen im Beiheft seiner neuen CD ins blumige Handwerk pfuscht. Doch wo er Recht hat, hat er Recht: Der Genuss der Cembalowerke Henry Purcells und insbesondere der ein Jahr nach dem Tode des Komponisten publizierten acht Suiten ist mit dem Vergnügen zu vergleichen, das Madame de Sévigné beim Genuss von Schokolade verspürte: "Sie tut dir eine Weile gut, sie wärmt dich einen Augenblick, und dann, ganz plötzlich, entzündet sie in dir ein verzehrendes Feuer." Mit anderen Worten gesagt: Diese Einspielung von Purcells kurzen Suiten ist dazu angetan, Leidenschaft für diese von professionellen Interpreten bisher ziemlich vernachlässigten Stücke zu entfachen. Und zwar so, dass man es dennoch nicht nötig hat, sie mit den Meisterwerken eines Bach oder Couperin zu vergleichen, die wie ein Hauptgericht zu sättigen vermögen und gleichzeitig eine magisch sinnliche Komplexität entfalten, die nur mit der von exzellenten Weinen vergleichbar ist.
Die Ehrenrettung der Petitessen gelingt, weil Egarr ein Kenner ist, für den sich Genussfähigkeit nicht auf die Wahrnehmung von Süße beschränkt: Die oft nur eine Minute langen Couranten, Sarabanden und Hornpipes kommen mal in deftigeren Nussaromen, mal in schmeichelnden Marzipannoten daher; die Tempi der ambitionierteren Allemanden sind dem jeweiligen Kontrapunkt- (um nicht zu sagen: Kakao-)gehalt angepasst und insbesondere an Egarrs winzigen Rubati bemerkt man seinen feinen Sinn für zartbittere Harmonik. Von den wenigen Paralleleinspielungen hebt sich Egarrs Interpretation besonders durch die geschmeidigere, weil vermutlich länger congierte Substanz der Melodielinien ab. Eingehüllt sind die Suiten in vollmundigere aber weniger komplexe Variationswerke über wiederholte Bassfiguren, die sogenannten Grounds. Und wenn man die Scheibe kauft, statt sie zu kopieren, ist das alles auch noch fair gehandelt!

Carsten Niemann, 05.02.2009



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