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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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George Enescu, Grazyna Bacewicz

Werke für Violine und Klavier

Lydia Mordkovitch, Ian Fountain

Chandos/Codaex CHAN 10476
(75 Min., 6/2007) 1 CD

Eine CD vor allem für Fans von Raritäten. Gelegentlich begegnet man allenfalls noch der zweiten Violinsonate des damals gerade 18-jährigen George Enescu, der am Ende seiner Studienzeit in Paris deutlich geprägt ist vom Klassizismus César Francks: Eine sanft voranfließende Harmonik und Melodik, die zyklische Anlage der dreisätzigen Form, die Zutaten sind bekannt und ergeben ein durchaus beachtliches Entree für den späteren rumänischen Nationalkomponisten. Weniger weit hat die Musik seiner polnischen Kollegin Grazyna Bacewicz gestrahlt: Wer die drei Werke genauer verfolgt, die Lydia Mordkovitch für ihr Rezital auswählt hat, wird sich nicht wundern, warum das so ist. Die unentschiedene Mischung aus Neobarock und Neoklassik in der Sonata da camera von 1945, die wenig originelle Formensprache der fröhlich nach Frankreich schielenden dritten Violinsonate von 1948 und selbst die scharfkantigere, von einer Schostakowitsch-artigen Ödnis gezeichnete Partita von 1955 – eine wirklich eigene, charakteristische Stimme entwickelt sich nicht, von der historischen Perspektivlosigkeit dieses Hin und Hers einmal ganz abgesehen.
Leider kann die in London lehrende russischstämmige Geigerin Lydia Mordkovitch die verfahrene Angelegenheit auch nicht mehr retten. Man weist ungern darauf hin, aber das fortgeschrittene Alter hinterlässt eben bei Geigern und Geigerinnen oft früh schon schmerzhafte Spuren: Zuverlässig unterstützt von ihrem Kollegen Ian Fountain versucht Mordkovitch zwar, dem entgegenzusteuern, doch das nur mit wechselhaftem Erfolg. Substanziell und griffig vor allem die schnelleren, frecheren Partien, mühevoll vieles andere. Vor allem, wenn Mordkovitch die Emphase sucht, drückt ihr schwerer Bogen den sonst silbrig strahlenden Ton tief zu Boden, und ein schummriges Vibrato sorgt dann dafür, dass er dort unten auch bleibt.

Raoul Mörchen, 05.02.2009



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