Responsive image

Compass

Joshua Redman

Nonesuch/Warner 75597 99230
(72 Min., 3/2008) 1 CD

Schon die Triobesetzung aus Saxofon, Kontrabass und Schlagzeug ist ungewöhnlich. Joshua Redman ging noch einen Schritt weiter: Er hatte bei seiner Platte "Compass" mit Larry Grenadier und Reuben Rogers zwei Bassisten sowie mit Brian Blade und Gregory Hutchinson zwei Drummer neben sich. Aus diesem Pool stellte er die Bands für die einzelnen Titel zusammen: fünf in Quintett-, zwei in Quartett- und sechs in Triostärke. Im Zentrum steht mit "Moonlight" eine auf Beethovens "Mondscheinsonate" fußende Ballade, in der die doppelt besetzte Rhythmusgruppe einen weiten Horizont eröffnet, der links und rechts vom Schlagzeug eingerahmt wird und in dessen Mitte das Tenorsaxofon sein verträumtes Lied singt – und wie! Mit einem Ton voll verhangener Farben, mal klagend und brüchig, dann fest, zart oder in einer kleinen Clownerie purzelnd. In "Identity Thief" umgibt die große Besetzung Redmans emotionales Solo über weite Passagen mit wildem Puls. Nicht ganz so nervös fällt "Just Like You" aus. In "March" unterlegen die vier Redmans Sopransaxofon mit einem verfremdeten Marschrhythmus, und "Little Ditty" ist eine hübsche Sopransaxofonballade mit wechselnden Begleitern.
Reizvoller als diese Quintetttitel sind die sechs Trionummern. Hier kommunizieren Redman und Partner wesentlich spontaner und intensiver, wobei jeder der beiden Schlagzeuger mit jedem der beiden Bassisten zum Zug kommt. Dies sind auch die Besetzungen, mit denen Redman in den vergangenen Jahren auf Tour war: eingespielte Ensembles, bei denen Breaks und Stimmungswechsel fast intuitiv erfolgen. Ähnlich intensiv, aber um Nuancen fülliger, fallen die beiden Quartetttitel "Uncharted" und "Through the Valley" aus. "Compass" ist keine nebenbei zu hörende Platte. Wer sich Zeit nimmt, hat an den an Überraschungen reichen Stücken aller Besetzungen Freude.

Werner Stiefele, 25.02.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Seine fröhlichen Werktitel wie „Rheinische Sinfonie“ oder „Frühlingssinfonie“ lassen einen bei Robert Schumann manchmal denken, er sei eine unbeschwerte Frohnatur gewesen. Dabei hat wohl kaum ein anderer Komponist so mit sich und dem Leben gehadert und zugleich sich selbst immer wieder so grandios aus den Tiefen der Depression in die Höhenflüge der Musik gerettet wie Schumann. Seine zweite Sinfonie entstand in einer Zeit, in der sich der Komponist von einer schweren Lebens- und […] mehr »


Top