Responsive image
Johannes Brahms, Peter Iljitsch Tschaikowski

Violinkonzerte

Bronislaw Huberman, Artur Rodzinski, Eugene Ormandy

Music & Arts/Note 1 CD 11-22
(1/1994, 4/1946) 1 CD

Der Hörer lernt den polnischen Geiger Bronislaw Huberman (1882-1947) mittels dieser CD als einen ausgesprochen eigenwilligen Interpreten kennen: Sein Spiel ist vor allem geprägt von einer äußerst scharfen, eigentlich häufig zu hohen Intonation und von bisweilen exzessiven Portamenti; letztere mögen durch den Zeitgeschmack mit bedingt gewesen sein.
Hubermans Weg in den Westen führte, ähnlich wie einige Jahre später auch derjenige seines Landsmannes Arthur Rubinstein, über Berlin bzw. den dortigen Hochschuldirektor und Brahms-Freund Joseph Joachim, der Huberman allerdings nicht selbst unterrichtete, sondern an seinen Assistenten weiterreichte. 1896 hatte Huberman Gelegenheit, das Brahms-Konzert in Anwesenheit des Komponisten zu spielen, was den alten Mann - will man seinem Biografen Kalbeck glauben - zu Tränen gerührt hat. Ein Flugzeugunglück im Jahre 1937 verursachte ernste Handverletzungen, deren Folgen für sein Spiel Huberman jedoch durch Training überwinden konnte.
Die eingangs erwähnten Eigenheiten seines Spiels machen die hier versammelten Aufnahmen nicht zu einem ungetrübten Vergnügen, wenn auch viele zauberhafte Passagen und ein schlanker, süßer Geigenton von einer Qualität, wie sie heute kaum noch anzutreffen ist, immer wieder aufhorchen lassen. Aufhorchen lässt außerdem die ungewohnte Kadenz im ersten Satz des Brahms-Konzertes, die auf Hubermans Frankfurter Geigenlehrer Hugo Hermann zurückgeht. Als erste Aufnahme der beiden Konzerte im Plattenschrank des Brahms- oder auch Tschaikowski-Liebhabers taugt diese CD sicher nicht; spannend ist sie hingegen vor allem für den genaueren Kenner des Repertoires sowie der auf Tonträgern zu verfolgenden Geschichte des Violinspiels.

20.12.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Seine fröhlichen Werktitel wie „Rheinische Sinfonie“ oder „Frühlingssinfonie“ lassen einen bei Robert Schumann manchmal denken, er sei eine unbeschwerte Frohnatur gewesen. Dabei hat wohl kaum ein anderer Komponist so mit sich und dem Leben gehadert und zugleich sich selbst immer wieder so grandios aus den Tiefen der Depression in die Höhenflüge der Musik gerettet wie Schumann. Seine zweite Sinfonie entstand in einer Zeit, in der sich der Komponist von einer schweren Lebens- und […] mehr »


Top