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Georg Friedrich Händel

12 Concerti grossi op. 6

Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

L‘Oiseau-Lyre/Universal 478 0319
(168 Min., 6 u. 7/2008) 3 CDs

Nein, zahm ist er nicht geworden. Der Ruf des Rabiaten, der dem Giardino Armonico seit gut zwei Jahrzehnten anhaftet, ist nicht Schnee von gestern. Daneben aber – dies zeigt die Gesamtaufnahme des Händelschen Opus 6 auf betörende Weise – lassen die Mailänder Barockrevoluzzer zunehmend introvertierte, intime Töne zu. Schon das erste (G-Dur-)Konzert der "12 Grand Concertos" belegt es: Derart kontrastvoll ist der berühmte, 1740 publizierte Doppel-Sixpack, den Händel wie seine Orgelkonzerte – man mag es kaum glauben – als Pausenunterhaltung seiner Opern konzipierte, noch nicht inszeniert worden. Schroff, mit knarzendem Bogenstrich, pompös-herrisch, beginnt Antoninis Truppe den Tuttiauftakt, um sich dann in der zart tastenden, solistischen Ripienoüberleitung zum Allegro ganz dem subtilen Seelenprotokoll Händels hinzugeben.
Solche betörenden Zwischentöne fernab barocker Unterhaltungskonvention (der Händel natürlich in den geläufigen Satztypen der Zeit Genüge getan hat) spürt Antonini immer wieder auf, selbstredend in den Adagio- und Largosätzen. Wie sehr hier sprechende bzw. singende (Bühnen-) Werke imaginiert sind – bekanntlich war Händel zuvorderst Vokalkomponist, für die weltliche wie geistliche Bühne –, zeigen auch und gerade die vielen Generalpausen, die Antonini ganz bewusst in der barocken Klangrede zur melodramatischen Sinnstiftung einsetzt. Dazu passt, was beispielsweise am herben Andante des e-Moll-Werkes zu hören ist, die dynamische, ergo leidenschaftliche Aufladung der scheinbar trockenen Sequenzpassagen. (Das mechanisch abgespulte, allenfalls in echohafter Terrassendynamik gestaffelte Sequenzengedudel, das man bis in die Achtzigerjahre hinein über sich ergehen lassen musste, darf endgültig in die archivarische Mottenkiste). Dass die Allegro-Rauswerfer nur so sprühen von gestochen scharfen Streichergirlanden und Trillerverzierungen, versteht sich bei den Mailändern von selbst, ebenso wie das herbe, sprichwörtliche Dudelsackidiom in der e-Moll-Polonaise. So blüht dieser Mailänder "harmonische Garten" wie nie zuvor. Und jeder kann sich an Händels Farbenrausch freuen.

Christoph Braun, 05.03.2009



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