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Edward Elgar

Violinkonzert h-Moll op.61

Gil Shaham, Chicago Symphony Orchestra, David Zinman

Canary Classics/Naxos CC06
(48 Min., 2/2007) 1 CD

Wohl nicht der englischen Musikgeschichte an sich, aber gewiss der bis dato dahindämmernden Geschichte des englischen Solokonzerts hat dieses Werk den entscheidenden, späten Anschub gegeben. Fritz Kreisler hat es 1910 mit dem Komponisten am Pult aus der Taufe gehoben, der junge Menuhin eine Generation später wiederum gemeinsam mit Elgar auf Schallplatte verewigt – die Referenzaufnahme bis heute. An deren ungeheuer weitschweifende und doch präzise gelenkte Dynamik und an ihre Brillanz kommt Gil Shaham mit dem Chicago Symphony Orchestra unter David Zinman nicht heran, es fehlt das letzte Quäntchen Killerinstinkt gewissermaßen, um dieser sich in ihrem eigenen Einfallsreichtum schwärmerisch verlierenden Partitur völlig Herr zu werden. Vielleicht liegt es daran, dass Shaham und Zinman den mit Vortragsanweisungen (nobilmente! tenuto! cantabile! largamente!) restlos überladenen Notentext möglichst genau lesen wollen – da gerät man schnell zu weit ins Kleingedruckte. Andererseits ist eben auch viel zu hören in diesem Livemitschnitt: verspielte Figurationen, launische Phrasierungen, auch große Linien, am Ende die ganze wunderbare Dialektik aus imperialem Kitsch und hintersinniger Konstruktion, die Sir Edward kaum irgendwo so gut gelang wie hier.
Mit der Ausdauer und Vielseitigkeit eines Zehnkämpfers bewältigt Shaham seine kräftezehrende Aufgabe, schwelgt, rast und zischt durch elementare Motivarbeit wie durch wuchernde Ornamentik, ist präsent an den vielen thematischen Baustellen, die Elgar aushebt, und versucht, die auch spieltechnisch maßlose Partitur zusammenzuhalten. Mit Zinman und dem Chicagoer Orchester ist er sich durchweg einig über das Vorgehen, was vor allem im rhythmischen Zusammenspiel viel Beifall verdient – wo doch hier kaum ein Takt geradeaus läuft.

Raoul Mörchen, 14.03.2009



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