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Francesco da Milano

Lautenwerke

Hopkinson Smith

naïve/Indigo 923912
(68 Min., 4/2008) 1 CD

Als Francesco da Milano 1543 im Alter von 46 Jahren verstarb, ließ es sich sein Vater nicht nehmen, an ihn mit einem aufwendigen Grab in der Mailänder Kirche Santa Maria della Scala zu erinnern. Dabei hätte "Il Divino", wie der Junior Zeit seines Lebens auch genannt wurde, von allerhöchster Stelle ein würdiges Abschiedszeremoniell verdient gehabt. Vom Ritterkönig François I. etwa, den Francesco mit seiner Laute bei wichtigen Auslandsreisen begleitete. Oder von Papst Paul III., in dessen musikalischen Diensten er lange stand. Mit seiner Lautenkunst hatte Francesco Canova, wie er eigentlich hieß, es aber nicht nur bis in die obersten Etagen von Hof und Kirche geschafft. Seine über 40 Tabulaturen kursierten auch nach seinem Tod weiterhin in allen wichtigen Musikzentren Europas, waren sie in ihrer kontrapunktischen Komplexität und vom technischen Anspruch her stilbildend. Eine Auswahl von Francescos Fantasien und Ricercari hat jetzt Hopkinson Smith mit jener Einfühlsamkeit, beredten Klangkultur und Makellosigkeit eingespielt, wie man es von diesem Lautenaltmeister gewohnt ist.
Darüber hinaus schlägt Smith aber auch einen Bogen in die Welt der Renaissancetänze. Was die Francesco-Connaisseure auf den ersten Blick überraschen wird. Immerhin ist bis auf eine Duoversion des Tanzes "La Spagna" kein weiterer von Francesco überliefert. Smith machte daher aus der Not eine Tugend und "rekonstruierte" fünf Tänze auf der Materialbasis der vergeistigten Fantasien und Ricercari. Ein Kunstgriff, der sich ausgezahlt hat. Denn plötzlich entpuppt sich "Plus de tristesse" als ein dahinwiegendes Chanson ohne Worte, besitzt die Pavane "Mi fato e miserabil sorte" auch die leuchtende Würde eines mehrstimmigen Madrigals.

Guido Fischer, 14.03.2009



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