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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Johannes Brahms

Die schöne Magelone

Roman Trekel, Bruno Ganz, Oliver Pohl

Oehms Classics OC 331
(93 Min., 5/2003, 9/2003)

Zwischen 1861 und 1868 setzte Johannes Brahms fünfzehn Romanzen aus Ludwig Tiecks Roman "Die wundersame Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter aus der Provence", einem frühromantischen Traum vom Mittelalter, in Musik um. Er schuf damit einen Liederzyklus, der Sänger wie Pianisten gleichermaßen Höchstleistungen abverlangt und, möglicherweise u. a. wegen seiner Schwierigkeiten, niemals die Popularität einer "Winterreise" oder "Dichterliebe" erlangt hat. Soll der Hörer die zu Grunde liegende Geschichte des Werbens und Ringens Graf Peters um die schöne Magelone verstehen, muss auch der Prosatext Tiecks gemeinsam mit den Gedichten zur Aufführung gebracht werden; viele Sänger haben sich dazu einen Schauspieler an die Seite geholt, manche, z. B. Brigitte Fassbaender, haben auch beide Partien in Personalunion übernommen. Der Schallplattenkatalog quillt nicht eben über vor guten Einspielungen der Schönen Magelone; als gelungene Gesamtleistung sei vor allem Peter Schreiers Version mit Wolfgang Heinz und Peter Rösel genannt; als mitreißende, etwas intonationsgetrübte sängerische Darbietung sei auch Hermann Preys Wiener Live-Produktion erwähnt.
Wie steht es nun mit der vorliegenden Neuproduktion? Man kann Roman Trekels opulentes Bariton-Material gar nicht genug loben, muss aber gleichzeitig immer wieder auch bedauern, das er es oft nicht optimal zum Einsatz bringt: Allzu selten gelangt Trekels Gesang wirklich zum Fließen, besonders im Piano (so etwa in "Sind es Schmerzen, sind es Freuden") bremst eine etwas verquollene Diktion den freien Klangstrom; erst im Crescendo findet diese artikulatorische Spannung ihr Gegengewicht in festerem, dramatischerem stimmlichen Zugriff, mit dem Trekel dann allerdings hier und da (in dieser Aufnahme allerdings weniger als bei früheren Gelegenheiten) ein wenig übers Ziel hinausschießt. So bleibt gleich das erste Lied insgesamt sängerisch recht unbefriedigend: Ein ab und zu etwas polteriges Forte steht einem Piano entgegen, das der Weichheit und des Klangzaubers eines Prey oder eines gut disponierten Fischer-Dieskau entbehrt.
In den Prosatexten gelingt es dem mit sandigem Timbre vortragenden Bruno Ganz nicht wirklich, den interessierten Hörer unbevormundet an der Erzählung teilhaben zu lassen: Man meint den Schauspieler meist mit Lesebrille, gekräuselter Stirn und erhobenem Zeigefinger vor sich zu sehen - weniger Interpretation und ein im positiven Sinne naiverer Zugriff hätten hier mehr Freude bereitet, hätten die in edle Sprache gefasste Stimmungslage zwischen erwachenden Liebesgefühlen, glanzvoller Ritterwelt und abenteuerlichen Verwicklungen besser zur Geltung gebracht.

, 17.04.2004



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