Ihre Beliebtheit bei Operndiven und Publikum verdankt Donizettis "Maria Stuarda" vor allem einer Szene: dem Aufeinandertreffen der beiden Königinnen, das Schiller einst für seine Dramenvorlage erfunden hatte. Bei guten Aufführungen, wie dem Mitschnitt vom Maggio Musicale Florenz von 1966 mit Leyla Gencer gibt es sogar Szenenapplaus, wenn die gedemütigte Schottenqueen ihrer Rivalin das Wort "Bastarda" entgegenschleudert – mit Recht verlangt das Publikum hier einen Showdown. Pier Luigi Pizzis Produktion aus der Mailänder Scala schafft es leider nicht, in dieser Schlüsselszene Boxring-Stimmung aufkommen zu lassen: Mariella Devia ist in der Titelrolle zwar stimmlich noch erstaunlich frisch und hat noch lupenreine Piani und kerzengerade Haltetöne zur Verfügung, als Darstellerin ist die italienische Gruberova aber eine Totalkatastrophe und erinnert mit ihrer verkniffenen Miene eher an eine schlecht gelaunte Hausfrau als eine unglückliche Herrscherin.
Sängerinnen wie Beverly Sills, Janet Baker und auch Edita Gruberova haben gezeigt, wie man diese Rolle glaubhaft und anrührend gestalten kann. Doch darauf scheint es in Pizzis Inszenierung wohl auch gar nicht anzukommen: Innerhalb eines kleingerasterten Bühnenkastens, der sowohl als Königshof wie als Gefängnis taugt, spielt sich lediglich dekoratives Rumstehtheater in brokatlastigen Kostümen ab, das schlimmste italienische Opernklischees bestätigt. Und selbst eine grandiose Schauspielerin wie Anna Caterina Antonacci als Elisabetta wird mit kalkweißem Gespenster-Make-up zur Megäre degradiert.

Jörg Königsdorf, 19.03.2009



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