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Felix Mendelssohn Bartholdy

Mendelssohn For 4 Hands – Oktett op. 20, Sinfonie Nr. 1 op. 11

Yaara Tal, Andreas Groethuysen, Oliver Wille, Mikayel Hakhnazaryan

Sony Classical/Sony BMG 88697 43160-2
(59 Min., 9/2008) 1 CD

Zwar kann man das hier eingespielte Repertoire unter "Hausmusik" subsumieren. Doch gerade bei Mendelssohn, der 18 Bearbeitungen eigener Werke vornahm, hat Hausmusik nicht unbedingt mit häuslicher Beschaulichkeit oder dem "Aus-der-Not-eine-Tugend-Machen" zu tun – wonach man sinfonische Werke, die sonst nur – selten genug – im Konzertsaal zu hören waren, "eigenhändig" kennen lernen konnte. Das hatte man ‘bei Mendelssohns’ zu Hause, in der Leipziger Straße 3, schlicht nicht nötig: Der Bankierspapa bestellte schon mal ein ganzes Orchester in den eigenen Salon seines Palais von der Recke, damit der Filius sich als Dirigent vor versammelter Berliner High Society präsentieren konnte. Und: Mendelssohns Bearbeitungen sind keine – wie sonst oft – laiengerechten Extrakte aus den Originalen zu deren verlegerischer Verkaufsförderung. Gerade die beiden hier in gewohnt souveräner, makellos synchroner Virtuosität von Tal/Groethuysen eingespielten Werke sind Laien kaum zugänglich.
Natürlich kann das – relativ – monochrome Klaviertimbre nicht die filigrane Vielfalt des originalen Streicherklanges im frühgenialen Oktett wettmachen. Um so mehr sind die dynamischen Schattierungen zu loben, mit denen Tal/Groethuysen das Manko zu kompensieren suchen. Gerade die deutlichen Zäsuren, gewissermaßen introvertierte Verschnaufpausen, tun diesem Perpetuum-mobile-artigen Staccato-Elfenzauber und Tremolando-Spuk à la "Sommernachtstraum" des 16-Jährigen gut. Dieselben klug disponierten Meriten lassen beide auch der ersten Sinfonie angedeihen, die Mendelssohn 1830, ein Jahr nach der umjubelten Londoner Uraufführung des Originals, für Klavierduo mitsamt Geige und Cello arrangierte. Nicht nur, aber vor allem das Andante con moto erhält hier einen ganz eigenen: original-kammermusikalischen Zauber – und das Mendelssohnjahr zwei lohnende Entdeckungen.

Christoph Braun, 19.03.2009



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