Ob das noch einmal etwas wird mit dem Comeback von Reinhard Keiser (1674-1739)? Von seinen Opern, die nicht nur musikalisch, sondern auch dramaturgisch zum Besten gehören, was die deutsche Barockoper hervorgebracht hat, gibt es bisher eine überragende Aufnahme: die des "Croesus" mit René Jacobs und der Akademie für Alte Musik. Die vorliegende Ersteinspielung der 1715 uraufgeführten "Fredegunda" fällt dagegen in allzu viele Fehler jener Pionierzeit zurück, in der man noch für jede Aufnahme eines Keiserwerks dankbar sein musste. So sehr es zu loben ist, dass sich Christoph Hammer mit den fortgeschrittenen Studenten der Bayerischen Theaterakademie für den Komponisten starkmacht und so packend und stilsicher er die Neue Hofkapelle München leitet: Die unglaubliche Wirkung, die das kurzweilig aufbereitete und doch in einzelnen Momenten tief berührende Macht- und Eifersuchtsdrama um die Frankenprinzessin Fredegunda einst auf die Besucher des Hamburger Opernhauses am Gänsemarkt ausübte, kann diese Produktion nicht beschwören.
Zwei Geißeln moderner Wiederbelebungsversuche von Keiseropern fahren auf das Werk nieder: Zum einen ist da das aufdringliche Vibrato von Sängern, die vielleicht Keisers reich instrumentierte Koloraturarien bewältigen, aber nicht darauf vorbereitet sind, dass dieser Komponist an den bewegendsten Stellen in einen sparsam begleiteten, volksliedhaften Gesang zu fallen pflegt. Und sollte eine dieser Nummern dennoch gut gelingen, wie es bei der aus dem Cast herausragenden Sopranistin Dora Pavlíková geschieht, dann fahren ihr die rumpelnden Bühnengeräusche der hyperaktiven und ohne jeden audiophilen Anspruch mitgeschnittenen Inszenierung in die Parade.

Carsten Niemann, 30.03.2009



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