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Henri-Joseph Rigel

Sinfonien

Concerto Köln

Berlin Classics/Edel 0016432BC
(70 Min., 5/2008) 1 CD

Selbst Kennern der Musik des 18. Jahrhunderts war der nach Paris ausgewanderte Wertheimer Komponist Riegel (frz. Rigel) nur deswegen bekannt, weil sein Name den Buchrücken eines Bandes des bekannten New Grove Dictionary of Music and Musicians (Vol. 16 Riegel-Schusterfleck) ziert. Jetzt hat der Flötist Martin Sandhoff, der für die Konzeption dieser CD verantwortlich zeichnet, zusammen mit den Musikern von Concerto Köln nicht allein einen tiefen Blick in den durchaus vielversprechenden Lexikonartikel getan, sondern auch in die Noten einiger seiner sinfonischen Hauptwerke, die bis auf die Nr. 10 bisher noch nie eingespielt wurden. Das Ergebnis ist eine der aufregendsten sinfonischen Entdeckungen seit den sensationellen Einspielungen der Sinfonien von Joseph Martin Kraus durch das gleiche Ensemble.
Rigel verbindet eine ausgesprochene Begabung für die Entwicklung zart-poetischer melodischer Eingebungen mit tadellos beherrschtem formalen Handwerk. Hinzu kommen sein Sinn für den in Paris geforderten und auch noch in Mozarts "Pariser Sinfonie" spürbaren repräsentativen Gestus und nicht zuletzt sein starker Hang zum dunklen Furor des musikalischen Sturm und Drang. Diese für Interpreten durchaus nicht leicht zu handhabende Fülle der Einflüsse balanciert Concerto Köln meisterhaft aus: Mühelos fällt man etwa vom vorrevolutionären Aufruhr in kammermusikalisch durchsichtige und gleichzeitig auf unheimliche Weise archaisch wirkende Fugati. Herauszuheben sind auch die langsamen Sätze, die ebenso galant gesungen wie überlegt erzählt wirken. Wer der Meinung ist, dass Mozart und Haydn zu wenig "Pariser Sinfonien" geschrieben haben, wird sich mit nichts so gut trösten können als mit den Werken dieser vergessenen Leitfigur der französischen Sinfonikerszene.

Carsten Niemann, 30.03.2009



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