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Anke Helfrich

Enja/Edel ENJ 9528
(54 Min., 9/2009) 1 CD

Während die Männer dabei sind, das Klaviertrio im Jazz im Sinne einer neuen Innerlichkeit immer wieder neu zu erfinden, ist es ausgerechnet eine Frau, die mit Vehemenz die afroamerikanischen Wurzeln betont und die Neobop-Spielweise im Triokontext hochhält. Die Rede ist von der 42-jährigen Pianistin Anke Helfrich. Ihre Begeisterung für groovenden Swing und eine farblich klar konturierte Harmonik kommt nicht von ungefähr. Durch eine Les McCann/Eddie Harris-Aufnahme kam sie einst zum Jazz, und durch ein Stipendium hat sie schließlich in New York bei Kenny Barron, einem Großmeister des Neobop-Klaviers, Privatunterricht erhalten. Dessen Geläufigkeitseleganz hat sie für sich weiterentwickelt und verbindet sie nun charmant mit Reminiszenzen an ihre Jazzsozialisation. Kritiker haben ihr früher immer eine besondere Verehrung für ihren angeblichen Hausheiligen Thelonious Monk nachgesagt. Auf dieser Einspielung für das renommierte Enja-Label verweist nur eine dargebotene Monk-Komposition auf diesen Einfluss, und da blitzt keck und selbstironisch aus dem Material immer wieder ein Versatzstück als Zerrspieglein, in dem der Kritiker seinen erhobenen Zeigefinger ertappt erkennen kann. Sonst besteht das Programm bis auf zwei Kurt-Weill-Standards aus Helfrich-Eigenkompositionen. Beeindruckend der Titelsong mit seiner teilweise offenen Form.
Partner des Trios ist dabei, wie bei der Hälfte der Tracks überhaupt, der Posaunist Nils Wogram, der immer wieder faszinierend nach Albert Mangelsdorff klingt. Anke Helfrich spielt auf diesem Track neben dem Flügel auch ihr gutes altes Fender Rhodes, das auch noch in einer weiteren Nummer zum Einsatz kommt. Unbedingt zu erwähnen ist das kraftvolle und intelligente Spiel des Schlagzeugers Dejan Terzic und die besondere Rolle des Bassisten Henning Sieverts, der auf "Sehnsucht" ein hinreißendes Cello spielt.

Thomas Fitterling, 11.04.2009



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