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Maurice Ravel, Gabriel Fauré, Ludwig van Beethoven

The French Piano School

Vlado Perlemuter, Yvonne Lefébure, Robert Casadesus

medici arts/Naxos 3078578
(66 Min., 1963-1971) 1 DVD

Als junger Pianist hatte Vlado Perlemuter die Klavierwerke Maurice Ravels noch unter persönlicher Anleitung des Komponisten studiert und bis zu seinem Tod 2002 im Alter von 98 Jahren galt der in Litauen geborene Wahlfranzose und Conservatoire-Professor (zu dessen Schülern u. a Christian Zacharias zählte) quasi als Ravels pianistischer Nachlassverwalter. Als Dokument der französischen Raveltradition besitzt die 1966 entstandene Aufnahme des Konzerts für die linke Hand mit dem Pariser ORTF-Orchester mithin einen gewissen Authentizitätsanspruch – schade, dass der Pianist (und auch die Tontechniker) offenbar einen schlechten Tag erwischt hatten. Zu zeigen, dass Perlemuters Ravelklang eigentlich nicht dumpf und verhangen, sondern leicht und luzide war, bleibt einer zwei Jahre zuvor in London entstandenen Aufnahme der Toccata aus "Le tombeau de Couperin" vorbehalten.
Die eigentliche Sensation dieser etwas wahllosen Pianisten-Archivblütenlese, die noch einige Fauré-Schnipsel mit Robert Casadesus und sehr schönes, altmeisterliches Chopin-Spiel Perlemuters enthält, ist jedoch die Aufnahme von Beethovens Opus 110 mit der 1898 geborenen Französin Yvonne Lefébure. Die hierzulande nahezu unbekannte Lefébure wurde in ihrer Heimat besonders als Beethoveninterpretin geschätzt – tatsächlich zeigt die 1963 entstandene Aufnahme eine Künstlerin, die auf der Höhe eines Arrau und Kempff spielt und die Vorzüge deutscher und französischer Pianistenschule in sich vereinigt. Lefébures Anschlag ist leuchtend und schön, dabei aber auch von einer ergreifenden Ausdruckstiefe und Sanglichkeit, ihr Beethoven ist bei aller Klarheit und skrupulösen Texttreue von einer inneren Freiheit, wie sie nur die ganz Großen erreichen. Das ist Beethoven-Spiel von einer Dimension, die derzeit kein Pianist der Welt erreicht.

Jörg Königsdorf, 17.04.2009



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