Responsive image

Sky & Country

Fly

ECM/Universal 1795041
(68 Min., 2 & 6/2008) 1 CD

Kollektive Formationen, in denen international renommierte Musiker unter Verzicht auf die Nennung ihres Namens hinter einem Gruppenideal zurückstehen, sind im Jazzbusiness äußerst selten. Dort beherrschen die großen Namen und ihr Markwert die Szene. Bislang hat man denn Fly, das 2004 gegründete Trio, bestehend aus dem Saxofonisten Mark Turner, dem Kontrabassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Jeff Ballard, auch kaum wahrgenommen. Jetzt hat es für ECM ein Album eingespielt, das nachhaltig die Konzeption des Saxofontrios an sich beeinflussen dürfte. Der Ansatz von Fly ist nicht der des legendären Sonny Rollins Trios – auch nicht der des Trios von Paul Motian; vielmehr knüpft Fly an die offene Piano-Trio-Konzeption an, die Paul Bley einst für ECM mit Closer so idealtypisch formuliert hat, einer Konzeption, an der sich heute Dutzende junger Pianisten abarbeiten, die aber erst jetzt mit Fly ein Analogon im Bereich des Bläsertrios findet.
Mark Turners Phrasen sind von logischer Strenge und leichtem Fluss, dabei verfolgt er auf dem Tenor- und Sopraninstrument ein Klangideal, das dem Cool Jazz und der E-Musik nahesteht. Larry Grenadier gruppiert seine Linien zu Figurationen starker harmonischer Suggestion, ohne dass jedoch einengende Patterns entstünden, und Jeff Ballard – erstaunlicherweise einst Sideman von Ray Charles – spielt ein Schlagzeug, das mit seiner klangmelodischen Ausprägung den Anspruch einlöst, ganz natürlich gleichberechtigter Partner im Trio zu sein. "Sky & Country", das ist akustischer Jazz ganz und gar aus der modernen Tradition und gleichzeitig höchst aktuell, ja mit immer wieder überraschenden blitzgescheiten Wendungen, eine Musik, die in die Zukunft weist.

Thomas Fitterling, 24.04.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ironie, Satire, Persiflage: Es sind die wohl schwierigsten Kommunikationsformen überhaupt. Und noch mehr, wenn es um musikalische Kommunikation geht. Denn hier ist selten einfach das gemeint, was offensichtlich ausgedrückt wird, sondern meist eine Haltung des Komponisten dazu, sei es eine Distanzierung, eine Kritik oder einfach nur ein derber Spaß, den er sich erlaubt. Dmitri Schostakowitsch war ein Meister dieser unterhaltsamen Kunst der Zwischentöne. Sein erstes Klavierkonzert, das er mit […] mehr »


Top