home

N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Erstaunlich, dass Francesco Cileas "Adriana Lecouvreur" so selten auf den Spielplänen deutscher Bühnen auftaucht. Das Stück hat schließlich nicht nur eine ganze Reihe wunschkonzertkompatibler Arien, sondern alles, was der Opernfreund sonst noch gerne hat: ein echtes Divenduell der edlen Titelheldin und ihrer fiesen Widersacherin um einen tenoralen Schwerenöter, und das auch noch in glitzerndes Pseudo-Rokoko gefasst – schöner und opulenter wird auch bei Puccini, dessen Erfolgsstücken Cileas Schauspielerinnendrama lange erfolgreich Konkurrenz machen konnte, nicht geliebt und gestorben. Und wie "Tosca" und "La Bohème" wäre auch "Adriana" mit ihrer drehbuchartigen Stringenz ein guter Stoff für einen Opernfilm. Lamberto Puggellis Scala-Inszenierung (die bereits in einer Version von 1989 mit Mirella Freni auf DVD vorliegt und zum Aufnahmezeitpunkt wohl ohnehin nur noch Staffage war) verschenkt leider weitgehend das Krimipotenzial des Werks: Offenbar nur als Divenvehikel gedacht, weicht sie allzu oft in die repräsentative Totale aus, statt durch geschickte Schnitte und Close-ups die Konflikte zu fokussieren.
Von Regie zu sprechen, weckt im Grunde sowieso falsche Erwartungen. Im weiträumigen Ungefähr des Bühnenbilds haben die Sänger freien Auslauf und machen, was sie eben gewohnt sind. Während Daniela Dessí eine humanere Alternative zum theatralischen Sarah-Bernard-Stil à la Magda Olivero bietet, kommt Olga Borodinas Fürstin mit breiter Tongebung und Bolschoi-Pathos direkt aus dem Theatermuseum. Und Sergej Larins ordentlicher, aber etwas jämmerlicher Maurizio ist den Divenkampf ohnehin nicht wert.

Jörg Königsdorf, 24.04.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Auf Anregung seines Lehrers Carl Friedrich Zelter schrieb der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 12 bis 14 Jahren zwölf Streichersinfonien im Zeitraum von 1821 bis 1823. Diese Werke bildeten sein Übungs- und Experimentierterrain für den musikalischen Satz, die Instrumentation und die sinfonische Form. Mendelssohn überschrieb die Stücke, die er mal mit drei und mal mit vier Sätzen gestaltete, wechselweise mit „Sinfonia“ oder „Sonata“. In ihnen fand die […] mehr


Abo

Top