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Johann Sebastian Bach

Concerts avec plusieurs instruments IV

Café Zimmermann

Alpha/Note 1 ALP137
(61 Min., 2/2004 u. 7/2008)

Mit Virtuosität lässt sich die Hörerschaft recht zielgenau ansprechen und in der Regel auch begeistern. Dass wir uns dies in den Tagen der historisierenden Aufführungspraxis auch mit Alter Musik gönnen, ist ein Verdienst eben jener Praxis: Nicht mehr so weihrauchumweht wie sein unendlich langsam orgelnder Epigone Albert Schweitzer müssen wir uns heute den alten Bach am Tasteninstrument vorstellen, sondern wir dürfen ihn fetzen und über die Klaviatur jagen lassen – schließlich wissen wir, dass er auch rein spieltechnisch seinerzeit ein weithin gefeierter Könner war. Und so entfesseln wir endlich seine Partituren, befreien sie von der klebrigen Patina des Betroffenheitsbarocks der Fünfziger-, Sechziger- und auch noch der Siebzigerjahre; das ist gut so. Virtuosität kann aber nicht allein durch Geschwindigkeit Sinn ergeben: Das Ohr des Hörers verlangt, je schneller musiziert wird, je mehr nach gliedernden Elementen auf der Ebene der Artikulation und der Phrasierung – bleiben diese aus, dann ist chaotische Micky-Maus-Musik ohne Punkt und Komma die Folge. In diesem Punkt sind die flinken Akrobaten der Gruppierung Café Zimmermann besonders kreativ: Ihre Phrasen schwellen druckvoll an und ebben rasch wieder ab; selbst bzw. gerade Begleitfiguren erfahren eine minutiöse Durchgestaltung, keine Achtelnote passiert einfach nur so nebenbei, alles hat seinen Platz und seinen Sinn im Gesamtbild. Die Bassgruppe unterlegt das spannungsreiche Agieren der Oberstimmen mit einem druckvollen Groove und treibt das Geschehen stringent auf die jeweils kraftvoll ausgespielten Kadenzen zu.
Lange haben die Hörer nach Folge drei (August 2004) auf den nächsten Teil der Gesamteinspielung der Concerti Bachs warten müssen; im bewährten Konzept des "durcheinander" (statt in Werkgruppen) Präsentierens bietet man nun das Violinkonzert in a-Moll, das Konzert für zwei Cembali in C-Dur, das Konzert für Flöte, Violine, Cembalo und Streicher in a-Moll und das zweite der Brandenburgischen. Der Rezensent kann seine Skepsis, die ihn schon bei Folge drei umtrieb, auch hier nicht ganz aufgeben: Vieles gerät ein wenig zu schnittig, zu windkanalgeprüft, um nicht nur in den Bauch, sondern auch wirklich zu Herzen zu gehen. Aber prachtvolle Virtuosen sind sie alle, die Leute von Café Zimmermann; und durch einen stark ausgeprägten Teamgeist hält in ihren Interpretationen alles zusammen wie Pech und Schwefel, das ist evident.

Michael Wersin, 02.05.2009



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