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Richard Strauss

Don Juan, Aus Italien, Don Quixote

Jan Vogler, Sebastian Herberg, Sächsische Staatskapelle Dresden, Fabio Luisi

Sony Classical/Sony BMG 88697 43554-2
(103 Min., 7/2008 u. 9/2003) 2 CDs

Das klingt über weite Strecken süffig, die Geigen tremolieren, was die Saiten halten, und das Blech badet in sonorer Fülle oder lässt seine kristallinklare Schärfe aufblitzen. So weit, so gut, so typisch für die Dresdner Edeltruppe (und Sonys exquisite Tontechnik). Und doch will der Funke nicht recht rüberspringen: Vieles auf diesem Dresdner sinfonischen Hausaltar – Fabio Luisis dritte Feier des Hausheiligen Strauss, der für die Dresdner "Wunderharfe" ein gut Teil seiner Werke schrieb – ist wohl geordnet, schön geschmückt. Man weidet (sich) sozusagen in den viel gerühmten Klanggründen des ältesten deutschen Orchesters – und vergisst den himmelstürmenden Drang des 22- bzw. 24-jährigen Strauss. Dabei wirbt das Booklet bei seinen drei "südländisch inspirierten" Werken mit "Deutscher Italianità", für die der Italiener Luisi "ein besonders authentischer Interpret sein dürfte". Ist er aber nicht. Wer sich Solti, Szell oder Karajan anhört, der weiß, wie triumphal-aufbrausend sich der sinfonische Newcomer 1886 "Don Juan" vorstellte (während Luisi demonstrativ bei den "schönen" Oboen-Kantilenen der Gespielinnen des legendären spanischen Draufgängers verweilt). Und wer sich einen plastischen Eindruck vom "neapolitanischen Volksleben" mit seinem "Funiculì, Funiculà"-Gewirbel ("Aus Italien") verschaffen will, der sollte sich besser den legendären Dresdner Strauss-Adepten Kempe anhören – oder Zinmans sinnliche Zürcher Produktion.
Allenfalls "In Roms Ruinen" kommt Begeisterung auf – in jenen "fantastischen Bildern entschwundener Herrlichkeit", die Strauss bei der musikalischen Verarbeitung seiner Italienreise vorschwebten. Der hymnisch aufblühende "Campagna"-Gesang hingegen wird im braven Vor-sich-hin-Buchstabieren verschenkt. Nicht frei davon, zumal mitunter recht brachial, dafür aber mit flotteren Tempi nimmt sich Luisi "Don Quixote" an. Trotz filigran-wendiger Soli von Jan Vogler und Sebastian Herberg (alias Cervantes‘ edlem Ritter und dessen Sancho Pansa) bleibt dieses Pseudo-Konzert für Violoncello, Viola und Orchester ein recht langatmiges "Problemstück". Auch wenn dies nicht unbedingt (nur) Luisi zuzuschreiben ist. Da hilft auch die Wiederveröffentlichung von 2003 nicht weiter.

Christoph Braun, 02.05.2009



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