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Joseph Haydn

Sinfonien Nr. 26, 43 & 83

Dresdner Kapellsolisten, Helmut Branny

Sony Classical/Sony BMG 88697 49132-2
(67 Min., 10/2008) 1 CD

Was an der Pleiße das Leipziger Kammerorchester, das sind an der Elbe die Dresdner Kapellsolisten. Beide Ensembles setzen sich vorwiegend aus Mitgliedern der berühmten, heimischen Traditionsorchester Gewandhaus bzw. Staatskapelle zusammen. Schon ihre Existenz an sich verrät ihre Spielphilosophie: Nicht grundlos glaubt man, die Musik vor allem des 18. Jahrhunderts in Gestalt eines Kammerensembles besser, sprich sinnlicher, beredter, verwirklichen zu können als in den sinfonisch ausladenden Mutter-Klangkörpern. Helmut Branny, als Dirigent und Kontrabassist der Primus inter pares des Ensembles, geht die Allegro-Ecksätze der nun eingespielten drei um 1770 bzw. 1785 geschriebenen Sinfonien flott, schlank, mit federndem Puls an – fern der behäbigen "Papa Haydn"-Unterhaltung, der man wohl oft genug in den Mutter-Klangkörpern erlag und erliegt. Allerdings hätte den aufwühlenden Experimenten der d-Moll-"Lamentatione" etwas mehr von Harnoncourts herber Kratzbürstigkeit gut getan. Analog kommt in der berühmt-"gluckenden" Pariser Sinfonie der Witz, das vorgeschriebene "spirituoso", ein wenig zu kurz (da macht beispielsweise Bernsteins gepfeffertes Huhn mehr Laune).
Restlos geglückt sind hingegen die drei Adagio- bzw. Andantesätze: Bei den Dresdnern versteht man, warum Haydn ein führender Repräsentant auch des empfindsamen, ja vorromantischen Zeitalters genannt werden kann. So hat der "moderne", an der historisch informierten Klangrede geschulte Hörer einen "wohltemperierten", geschmackvollen, kultivierten Haydn vor sich. Nicht mehr und nicht weniger.

Christoph Braun, 15.05.2009



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