Responsive image

My Heart Would Have A Reason

Inger Marie

Stunt/SunnyMoon STUCD 9052
(47 Min., 1/2009) 1 CD

Eigentlich hatte man ja das Gefühl, dass man inzwischen jede brauchbare jazzaffine Sängerin zwischen Oslo und Hammerfest mal gehört haben müsste. Stellt sich die Frage: Wo hat sich Inger Marie Gundersen so lange versteckt? Denn um ein unbedarftes Sangesküken handelt es sich bei der Norwegerin, deren Sohn immerhin so alt ist, dass er sie auf "My Heart Would Have a Reason" am Saxofon begleiten kann, wohl beileibe nicht. Das Erstaunen wird umso größer, wenn man bedenkt, dass das aktuelle Album erst das dritte in der Karriere Gundersens ist – und dass das Debüt gerade mal fünf Jahre zurückliegt. In ihrer Heimat und in Asien soll die Dame aber wenigstens schon über einen größeren Fankreis verfügen. Der dürfte auch in Mitteleuropa demnächst einige Zuwächse verzeichnen. Denn "My Heart Would Have a Reason" erfüllt zum einen mit Bearbeitungen von Songs aus der Feder von George Harrison, Sting und Bob Marley alle Erwartungen, die man in unseren Regionen an ein zeitgemäßes Pop-Jazz-Album hat. Zum anderen besitzt die Aufnahme einen gewissen Mehrwert.
Und der lässt sich so umschreiben: It’s the singer, not the song. Produzent Georg Wadenius gelingt es mit aufs Nötigste reduzierten Arrangements, Gundersens Stimme in den Vordergrund zu stellen, wo sie bestens mit Mathias Eicks ergreifend schlichtem Trompetenspiel korrespondiert. Es ist eine warme Stimme, die Fans des ewigen Geheimtipps Everything But the Girl in ihrer abgeklärten Melancholie an Tracey Thorn erinnern dürfte. Von dieser weisen, erfahrenen Vortragsweise können sich viele jüngere – und ungleich bekanntere – Sängerinnen gerne eine Scheibe abschneiden.

Josef Engels, 15.05.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top