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Solage, Franciscus Andrieu, Jacob de Senleches u.a.

Codex Chantilly 1

Tetraktys

Etcetera/Codaex KTC 1900
(63 Min., 2/2007) 1 CD

Wer wissen möchte, was es mit der mysteriösen Bezeichnung "Ars subtilior" für die französische Musik der Jahrzehnte um 1400 auf sich hat, sollte am besten Track zwei dieser CD hören – ein anonymes, gerade mal drei Minuten dauerndes Stück mit dem Doppeltitel "Un crible/A Dieux". Die beiden Sänger des Ensembles Tetraktys, die Sopranistin Jill Feldman und der Countertenor Carlos Mena gestalten die rhythmisch vertrackten Linien dieses Stücks in hohem Tempo mit fast scherzohafter Leichtigkeit, tanzen – gleichzeitig zwei unterschiedliche Texte singend – in anmutig-grotesken Bewegungen von synkopischer Komplexität umeinander herum. Und dann höre man gleich anschließend, wie Mena in der Ballade "Medée fu" die so erlesen wie melancholisch geschwungene Melodie gestaltet, und man begreift: Ars subtilior war eine musikalische Bewegung der äußersten, eben "subtilen" Verfeinerung der Mittel.
Die Hauptquelle dieser eigenartigen Epoche ist eben der spätmittelalterliche Codex Chantilly, von dessen geplanter "Gesamtaufnahme" – er enthält 110 Werke – nun die erste Folge mit gerade mal acht Stücken von oft himmlischer Länge vorliegt. Nebenbei ist die Aufnahme auch ein beachtliches Plädoyer dafür, zur Aufführungspraxis mit Begleitinstrumenten zurückzukehren (statt rein vokaler Aufführungen, wie sie etwa Gothic Voices pflegen), die Transparenz der Textur spricht für sich, und das angemessen "subtile" Spiel auf Vielle, Flöte und Harfe bietet etwa auch die Möglichkeit, bestimmte Zusammenklänge besonders hervorzuheben.

Wolfgang Fuhrmann, 12.06.2009



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