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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Michel Godard, Lee Santana, Maurizio Cazzatti, Thomas Eisenhuet u.a.

Tre bassi – De Profundis

Alain Buet, Paul Willenbrock, Philippe Roche, Michel Godard, Hille Perl, Lee Santana

Carpe Diem/Klassik Center CD16274
(53 Min., 9/2001) 1 CD

Was den drei Tenören und den ebenso vielen Countertenören recht ist, das ist den drei Bässen Alain Buet, Paul Willenbrock und Philippe Roche nur billig. Wobei die drei sonoren Herren noch das Glück haben, für ihr Album nicht auf fragwürdige Bearbeitungen zurückgreifen zu müssen: Sie können sich auf ein ebenso wertvolles wie angemessen düsteres Repertoire aus Kompositionen meist unbekannter Meister des 17. Jahrhunderts wie etwa Thomas Eisenhuet, Wolfgang Ebner oder Antonio Cifra stützen. Dass sich die drei Sänger noch dazu von drei so außergewöhnlichen Instrumentalisten wie dem Chitarronespieler Lee Santana, der Gambistin Hille Perl und dem hier auf einem urigen Serpent blasenden Michel Godard begleiten lassen, weckt noch dazu Hoffnungen auf intelligentes Crossover mit der Jazz-, Emopunk- und Gruftieszene. Doch leider ist das Album weniger als die Summe seiner Einzelteile.
Zwar können die von den Sängern äußerst plastisch gestalteten frühbarocken Kleinodien, aber auch die in guten Momenten nach prähistorischem Jan Garbarek klingenden Improvisationen Michel Godards und sogar Lee Santanas treuherzig zwischen Liedermacherton, Alte-Musik-Zitaten und Neue-Musik-Mainstream vermittelnde Kompositionen Interesse wecken. Ein Spannungsbogen ergibt sich aus der Zusammenstellung jedoch nicht: Santanas Versuch, ein Lebensgefühl zwischen amerikanischem Roadmovie und barockem Vanitas-Gedanken zu artikulieren, bricht nach drei Stücken ab und auch Michel Godards Improvisationen sind letztlich nur der Kitt, welcher die Folge der meist recht kurzen und vergleichsweise notengetreu musizierten Motetten und Antiphonen der barocken Altmeister verbindet. Auch wenn man den Interpreten für ihren Mut zum Experiment nur gratulieren kann – auf dem Weg zum Himmel der Stars haben Bässe einfach einen längeren Weg zurückzulegen.

Carsten Niemann, 19.06.2009



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