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Sketches Of Spain – 50th Anniversary Legacy Edition

Miles Davis

Columbia/Legacy/Sony Music 88697 43949-2
(116 Min., 5/1957, 11/1959, 3/1960, 3/1961 u. 5/1961) 2 CDs

Wie soll man diesen Meilenstein des Jazz und des Third Stream anders bewerten als mit fünf Punkten? Und doch gibt es gewichtige Einwände: Diese Legacy-Edition ist ein typisches Beispiel für die Wiederverwertungskunst, die ursprüngliches Mühen um eine geschlossene und stimmige Produktion durch das Beipacken verpatzter Probentakes konterkariert. Zur Ehrenrettung dieser Ausgabe muss gesagt werden, dass hier nicht wie bei einer Monk-Legacy-Ausgabe der Versuch gemacht wurde, durch das Wiedereinfügen ursprünglich herausgeschnittener Teile ein vermeintliches Original zu konstruieren; dazu kann der im reich bebilderten Booklet abgedruckte überaus kundige und durchaus kritische Essay von Gunther Schuller zur Entstehung des Materials auch als Ansatz zur Selbstkritik der fragwürdigen Reissue-Praxis gelesen werden.
Das Kernstück von "Sketches" beschrieb Mátyás Kiss in seiner RONDO-Besprechung der gesamtem Studioeinspielungen von Davis/Evans treffend so: "[Miles Davis’] Version des Adagios aus Rodrigos ‘Concierto de Aranjuez’ kommt dem berühmten Gitarrenkonzert an Klangfantasie gleich und übertrifft es an emotionalem Tiefgang um Längen. Ein unbedingter Ausdruckswille macht dabei Davis’ beschränkte Mittel vergessen." Kongenial fiel auch die Adaption eines Manuel-de-Falla-Themas aus. Großartig auch die ursprünglichen drei weiteren Titel des Originalalbums von 1960: drei Evans-Originals im Geiste der andalusischen Flamencotradition. Faszinierend immer wieder aufs Neue, wie Gil Evans aus der großen, um Harfe und Rhythmusgruppe erweiterten Bläserformation durch ungewöhnliche Instrumentierungen duftig vielschichtige und dabei schillernd changierende Klangfarben zaubert und so die Melancholie der Miles’schen Trompetenstimme trefflich zur Wirkung bringt. Der Rest des Materials ist bis auf eine Ausnahme gewissermaßen Lumpensammlerei: zwei Titel von anderen Alben als Füllstoff und die unsäglichen Out-Takes, die als solche offensichtlich sind. Die Ausnahme allerdings hat es in sich: Es ist eine Liveaufnahme des "Concierto" aus dem legendären Carnegie-Hall-Konzert von 1961, dem einzigen gemeinsamen Konzert von Davis/Evans. Für Schuller übertrifft diese Version die Studioeinspielung um Längen, Miles wagt viel mehr und gewinnt immer. Als Aufnahme allerdings leidet die Konzertversion mitunter an ungeschlachter Dynamik und unausgeglichenem Sound, und so wird die Studioproduktion in ihrer epochalen Einmaligkeit unangefochten bleiben. Das ahnte 1959 auch Nat Hentoff in seinem Bericht über die Aufnahmesession, der als PDF-Datei auf der ersten CD gespeichert ist.

Thomas Fitterling, 26.06.2009



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