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Joseph Haydn

Späte Klavierwerke

Gary Cooper

Channel Classics/harmonia mundi CCS 26509
(67 Min., 11/2008) 1 CD

Die Vorfreude auf diese CD hält sich in Grenzen: Müssen es denn wirklich schon wieder die allerberühmtesten Klavierwerke aus Josef Haydns weiß Gott umfangreichem Schaffen sein? Umso größer ist die Überraschung, dass es dem Briten Gary Cooper tatsächlich gelingt, zu viel gespielten Stücken wie der Londoner Es-Dur-Sonate und den f-Moll-Variationen etwas ganz Eigenes zu sagen. Unerhört sprechend, ja fast opernhaft ist Coopers Haydn geraten und wirkt damit wie ein Gegenentwurf zu Christine Schornsheims preisgekrönter Gesamtaufnahme. Wo Schornsheim den Kontrapunktiker Haydn hervorkehrt und die Gefühle auf einen intimen Radius herunterdimmt, setzt Cooper auf Affekt und Spontaneität. Die langsamen Sätze bekommen bei ihm durch langsamere Tempi mehr Gewicht, die Wendungen in den Ecksätzen der Sonaten treten viel stärker als emotionale Umschwünge oder genialische Einfälle hervor – ein extrovertierter, mitunter fast improvisatorischer Ansatz, der durchweg überzeugt, aber am stärksten den f-Moll-Variationen entgegenkommt. Für seine Interpretation hat Cooper das vermutlich bestmögliche Instrument zur Verfügung. Das Fortepiano aus der Sammlung von Edwin Beunk verkörpert die Eigenschaften der Wiener Hammerflügel im Extrem: Der singende, obertonreiche Klang lässt sich bis zu einem spinnwebfeinen, fahlen Pianissimo herunterschrauben, im Forte dagegen wird hörbar, dass Haydn in diesen Stücken tatsächlich bis an die Grenzen der damaligen Instrumente ging – die Coda der f-Moll-Variationen hat wohl noch nie derart erschütternd geklungen.

Jörg Königsdorf, 17.07.2009



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