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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Ludwig van Beethoven, Giuseppe Verdi, Anton Webern

Artemis Quartett – Quartett-Szenen

Artemis Quartett

medici arts/Naxos 3073068
(112 Min., 2001)

Ein Streichquartett ist eine Ehe zu viert. Wie jeder gemeinsame Bund fürs Leben ist so eine Ehe aber auch nicht vor Brüchen gefeit. Von der Urbesetzung des 1989 gegründeten Artemis Quartetts ist heute nur noch Cellist Eckard Runge geblieben. Als Regisseur Bruno Monsaingeon 2001 gleich zwei Mal die Kameras aufstellte, für ein Porträt und ein Recital vom Artemis Quartett, gehörte mit Bratscher Volker Jacobsen noch ein zweites Gründungsmitglied dazu. Und neben der russischen Geigerin Natalia Prischepenko, die 1994 einstieg, war Violinist Heime Müller damals im Gespräch noch derart Feuer und Flamme von der gemeinsamen Ensemble-Arbeit, dass rückblickend sein Ausstieg 2007 umso überraschender war. Trotz aller Umwälzungen gibt es scheinbar jedoch ein spezielles Gen, mit dem jedes "neue" Artemis Quartett an die fesselnde Darstellungskraft und das ungemein modulationsreiche Spiel seiner Vorgänger anknüpfen kann.
Dabei hat man bei den beiden audio-visuellen Dokumentationen von Monsaingeon den Eindruck, dass das Artemis Quartett bei den Aufnahmen eigentlich im Zenit seiner Karriere gestanden hat. Dank einer mehr als freundschaftlichen Harmonie und eines demokratischen Geistes, der bei den mitgeschnittenen Proben genauso zum Ausdruck kommt wie speziell im gleichberechtigten Wechsel zwischen erster und zweiter Violinstimme. Die erfrischende Lockerheit, mit der die Mitglieder über die Glücksmomente und die Spannungen im Artemis-Team plaudern, weicht hingegen schnell, wenn es ums große Ganze und die nötigen Feinheiten geht. Da wägt man bei Beethovens Großer Fuge alle Gesten doppelt und dreifach ab – bis dieser anspruchsvolle, moderne Streichquartett-Gipfel klug und tollkühn erklommen werden kann. Im Livemitschnitt aus dem Pariser Théâtre des bouffes du Nord kann man sodann staunend erleben, wie im Beethovenquartett op. 18/2, im Verdiquartett und in den Sechs Bagatellen von Anton Webern die unterschiedlichsten Welten sich in diesem vierstimmigen Organismus vereinen.

Guido Fischer, 24.07.2009



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